Containertracking

Marvin Meyke,

Frachtströme im Blick

Eine Warensendung mit Seefrachtcontainern kann mehr als 200 Interaktionen umfassen. ­Der Reifenhersteller Michelin wollte jederzeit ­genaue Informationen über seinen Lagerbestand sicherstellen. Das Unternehmen setzt nun auf eine Tracking-Lösung von Sigfox.

© Sigfox

Verpasst ein Seefrachtcontainer seinen Ladetermin, muss er auf das nächste verfügbare Frachtschiff warten. Das kann schnell zu Lieferverzögerungen von mehr als einer Woche führen. Wird ein Lieferzeitraum jedoch nicht eingehalten, kann das zu erheblichen finanziellen Ein­bußen bei Michelins Kunden führen. Ver­spätungen müssen daher unverzüglich erkannt und gemanagt werden. Einige Seefrachter melden aufgrund von ­administrativen Richtlinien Verspätungen nur mit Verzögerung, so dass über diesen Weg eine zuverlässige Überwachung nicht gewährleistet werden kann. Deshalb suchte Michelin nach einer kostengünstigen und nachhaltigen Tracking-Lösung für seinen interkontinentalen Warenverkehr. ­Gefordert war eine kontinuierliche Transparenz, so dass die Kunden insbesondere bei wichtigen Warensendungen stets über deren aktuellen Verbleib informiert sind und die voraussichtliche Ankunftszeit möglichst genau vorhergesagt werden kann.

Teure Verspätungen
Eine verspätete Lieferung an einen Automobilhersteller kann bei Produktionsstillstand zu hohen finanziellen Verlusten führen. Auch der Ausfall eines Mining-Trucks, nur weil ein ­Ersatzreifen nicht an Ort und Stelle ist, kann schnell Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro verur­sachen. Bereits existierende Tracking-Lösungen auf Basis von GSM 3G- oder 4G-Technologie kamen für Michelin allerdings nicht in Betracht, da diese rund 100 US-Dollar pro Container­sendung kosten: Mit mehr als 150.000 verschifften Containern pro Jahr waren die Gesamtkosten von rund 15 Millionen Euro einfach nicht tragbar. Zudem wiesen die bestehenden ­Tracking-Lösungen nur eine kurze Akkulaufzeit auf und hatten auch Probleme aus den Containern heraus ihre Signale zu übermitteln. Es musste ­also eine Lösung mit geringeren Kosten, langer Akkulaufzeit und zuverlässiger Signalübertragung her.

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Kosteneffiziente Tracker und ein globales Netz
Michelin suchte daher zusammen mit Argon Consulting – einem Beratungsunternehmen, das sich auf operative Transformationsprojekte spezialisiert hat – nach einer passenden Tracking-Technologie und Lösungsplattform, die sie bei Bedarf auch weiterentwickeln und optimieren konnten. Für Michelin zählten dabei vor allem Qualität und Standortgenauigkeit bei der Auswahl der einzusetzenden Technologie.

Der IoT-Dienstleister Sigfox war der einzige Anbieter eines internationalen Low-Power-Netzes, der Michelin sowohl den Tracker als auch das 0G-Netzwerk mit hochwertiger Konnektivität in allen Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, bieten konnte. Jedoch waren noch einige Anpassungen erforderlich. So entwickelten die drei Unternehmen beispielsweise gemeinsam ­einen Algorithmus, mit dem die Tracker physische Bewegungen erkennen ­können, damit die Tracking-Lösung ­zusätzlich spezifische Aktionen wie das Be- und Entladen erfassen und ­kri­tische Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Stöße monitoren und melden kann.

Die Tests von Michelin ergaben, dass durch dieses Echtzeit-Tracking bis zu zehn Prozent der auf dem Seeweg ­befindlichen Warenbestände eingespart und die Genauigkeit der Vorhersage einer voraussichtlichen Ankunftszeit um bis zu 40 Prozent verbessert wurden. Auch Warenflussabbrüche durch außergewöhnliche Ereignisse wie Unwetter konnten um bis zu 75 Prozent reduziert werden.
Bei der Netzabdeckung und Übertragungssicherheit, die entscheiden für eine flächendeckende Geolokal­isierung sind, konnte das Sigfox 0G-Netz ebenfalls punkten. Auch an abgelegenen Standorten profitierten Michelin und seine Kunden von der Zuverlässigkeit. Die übertragenen Echtzeitdaten können aus der Sigfox-Cloud heraus über ein sicheres Webinterface abgerufen werden, sodass jederzeit der Status der Sendungen verfolgt und kritische ­Ereignismeldungen abgesetzt werden können.

Nach rund eineinhalb Jahren Zusammenarbeit haben Sigfox, Argon Consulting und Michelin gemeinsam das Unternehmen SafeCube gegründet, das die Lösung vermarktet und für ­andere Unternehmen öffnen und skalieren wird. Zu den entscheidenden Vorteilen der Trackinglösung zählt laut Unternehmensangaben die Kosten­effizienz. Da die Tracker zudem nur bei wichtigen Ereignissen Daten übermitteln, benötigen sie wenig Energie. So können vergleichsweise kleine Bat­terien mit dennoch langer Laufzeit eingesetzt werden.

Mit der neuen Trackinglösung von SafeCube können nicht nur Sendungen lokalisiert sondern auch die Um­gebungsbedingungen, wie Helligkeit, Temperatur und Feuchtigkeit der Sendung überwacht werden und auf ungeplante Öffnungen der Container oder andere negative Einflüsse für das Transportgut kann so unmittelbar reagiert werden.

Auch ist die Tracking-Lösung skalierbar und kann schnell auf unterschiedliche Geschäftsfälle und An­forderungen angepasst werden. Die Tracking-Devices sind nicht für den einmaligen Gebrauch ausgelegt, ­sondern können für mindestens vier Jahre genutzt werden, was sich auf die Öko­bilanz positiv auswirkt.

Interkontinentalen Warenfluss optimieren
Mit der Entwicklung dieser kostengünstigen, kundenzentrierten Asset-Tracking-Lösung tragen Michelin und seine Partner dazu bei, die Supply Chain & Logistik-Branche in das digi­tale Zeitalter zu führen. Mit über 100 Millionen Containertransporten pro Jahr und einem Gesamtumsatz von fünf Milliarden Euro ist die digitale Transformation der Lieferkette unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Containerlogistikbranche mit den von ihr bedienten Unternehmen Schritt hält. Michelin wird zusammen mit Argon und Sigfox die übermittelbaren Daten weiter diversifizieren. Letztlich soll es zudem auch möglich sein, die gewonnenen Daten einem breiten Spektrum von Unternehmen sowie Hafen- und Grenzbehörden, Zoll- und Seeschifffahrtsinstitutionen bereitzustellen

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