Aus LT-manager 5/2019

HAVI rockt die Rampe

Wartezeit lässt sich nicht aussitzen, schon gar nicht an der Rampe. Um ihr zu begegnen, braucht es effiziente Maßnahmen wie eine verlässliche Echtzeit-Kommunikation unter allen Beteiligten. Die Cargoclix-Zeitmanagement-Plattform „SLOT“ ermöglicht genau das bei HAVI Logistics.

© HAVI

Es gibt Momente im Leben, die machen schon Sorgen, wenn man nur an sie denkt oder sie leise vor sich hersagt: Weihnachtseinkauf. Schwiegerelternbesuch. Elternsprechtag. Oder Wartezeit. Doch während sich Situationen der Kate­gorie 1 bis 3 meist durch Aussitzen oder Ignorieren relativieren lassen, empfehlen sich für die „Wartezeit“ ganz andere Möglichkeiten: sie gar nicht erst zu­lassen oder zumindest schon im Vorfeld auf ein Minimum reduzieren.

Zeit aber ist erst einmal relativ, wenn auch alltagsbestimmend. Zum Beispiel an Rampen: Einer im Sommer 2018 von der Unternehmensberatung SCI Verkehr veröffentlichten Befragung zufolge habe die durchschnittliche Wartezeit an Rampen deutlich ab­genommen. Keines der befragten Transport- und Logistikunternehmen gab an, dass die Wartezeit über zwei Stunden liege. Soweit die gute Nachricht. Die weniger gute: 49 Prozent der Befragten registrierten im vorigen Jahr Wartezeiten von 30 Minuten bis zu einer Stunde, 42 Prozent gar eine durchschnittliche Wartezeit von ein bis eineinhalb Stunden. Und unter dem Strich beklagten immer noch zwei Drittel der befragten Transport- und Logistik­unternehmen einen grundsätzlichen Mangel an Lade- und Zeitfenstern.

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Dienstleister wie Mitarbeiter profitieren
Was es heißt, diesem Mangel und damit der Wartezeit so früh als möglich ins Auge zu blicken und ihr durch konsequentes Handeln zu begegnen, weiß HAVI Logistics. Der in 37 euro­päischen Ländern aktive Logistikdienstleister für die Food Service Industrie mit Hauptsitz in Duisburg hat an allen acht Standorten in Deutschland das internet­basierte Zeitfenstermanagement-System „SLOT“ des Freiburger Anbieters Cargoclix eingeführt und seit sechs Jahren im Einsatz. Die Entscheidung für das System fiel nach einem ­direkten Systemvergleich und einem erfolgreichen Pilotbetrieb im Günzburger Distributionszentrum im Herbst 2012.

Das Ziel: Die Einführung des offenen und integrierten Buchungssystems soll die Be- und Entladeprozesse an der Rampe optimieren, Wartezeiten vermeiden sowie helfen, die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern, hieß es in einer zur Implementierung des ­Systems veröffentlichen Mitteilung im Frühjahr 2013. Klingt gut, aber werden solche Ziele in der Praxis auch erreicht? Bei HAVI nachgefragt, kommt ein „Ja“.

„Die langen Lkw-Schlangen zu reduzieren, war eines der wichtigsten Ziele für unsere Suche nach einem transparenten Tool. Und diese sind deutlich kürzer geworden“, sagt Janka Herten, Senior Specialist Process Management bei HAVI in Duisburg. „Auch die Mitarbeiter im Lager profitieren vom Tool – das Organisieren, das Kommunizieren, das gemeinsame Planen mit allen Beteiligten und damit die Reduzierung möglicher Wartezeiten schon an frühester Stelle sind sehr viel einfacher geworden.“

Insgesamt fertigt der Logistik­anbieter an den Standorten Neu Wulmstorf, Bingen, Duisburg, Rheinberg, Günzburg, Ilsfeld, Lederhose und Wustermark ein Lkw-Aufkommen von täglich bis zu 40 Gliederzügen pro Standort im Wareneingang mit SLOT ab, oder umgerechnet viel deutlicher: rund 7.000 Buchungen pro Monat. Die Warenannahme erfolgt ausschließlich nach vorheriger Einbuchung in ­das bestehende Cargoclix-System. Die Frachtführer sowie das HAVI-Logistics-Schwesterunternehmen STI Freight Management buchen dazu ihre Wunschlieferzeit schnell per Internet und zahlen eine Gebühr von 50 Cent pro Zeitfenster.

Automatisch über den aktuellsten Stand informiert
Das System wird kontinuierlich weiter­entwickelt, sagt Herten, die das Projekt seit mehr als einem Jahr federführend betreut. Es gelte, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und in das Unternehmen zu tragen, seien sie auch noch so klein: „Uns war es zum Beispiel wichtig, dass wir die Kommunikation zu STI Freight Management verbessern und zwar so, dass es letztlich auch im Lager weiterhilft“, erklärt Herten. Dazu werde zum Beispiel das in SLOT angebotene Kommentarfeld seitens der Spediteure intensiv genutzt. „Verspätungen kann jeder Spediteur eintragen, woraufhin die Info am entsprechenden Standort sofort einsehbar ist“. Zudem hat HAVI noch einen automatisierten E-Mail-Versand eingerichtet „um die Wichtigkeit der Information noch einmal herauszustellen“, so Herten.
Jeder sieht alles und bleibt automatisch über den aktuellsten Stand informiert – zudem ist das System selbsterklärend, anwenderfreundlich und individualisierbar: SLOT läuft an allen HAVI-Standorten, die selbst definieren, welche Features genutzt werden. Die Eingabefelder der Buchungsmaske sind standar­disiert, um eine Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Bei der Buchung nachgefragte Felder umfassen unter anderem Auftrags- und Bestell­nummer, Name des Frachtführers, Spediteur, Lieferant, Abholort oder die Anzahl der Ladeeinheiten. Abhängig von der letzten Variabel wird auch die automatische Zeitfensterlänge im System gebucht.

Bei der Buchung nachgefragte Felder umfassen unter anderem ­Auftrags- und Bestellnummer, Name des Frachtführers, Spediteur, Lieferant, Abholort oder die Anzahl der Ladeeinheiten. Abhängig von der letzten Variable wird auch die automatische Zeitfensterlänge im System gebucht.

Der Logistikdienstleister setzt auf größtmögliche Flexibilität an der Rampe. Muss er auch: „Da wir überall mit Tiefkühl-, Frische- und Trockenprodukten arbeiten, ist es natürlich entscheidend, so früh wie möglich die Anlieferung der jeweiligen Warenart einzubuchen“ so Herten. Je nach Abfertigungsmöglich­keiten am Standort kann zum Beispiel eines von drei Zeitfenstern pro Warenart gebucht und damit festgelegt werden, wann und wo der Lkw andockt. Die anderen zeitgleichen Slots werden dann automatisch geschlossen. „Wir bieten nicht mehr Slots an, als wir zur Verfügung haben, lassen uns und unseren Partnern aber trotzdem ein Höchstmaß an Flexibilität.“

Fairness, die diszipliniert
Für die immer wieder aufkeimende Kritik, Zeitfenstermanagement sei zu unflexibel für Dienstleister, hat man bei HAVI wenig Verständnis, schließlich gebe es im System genügend technische Möglichkeiten, das Rampenmanagement flexibel zu gestalten. Zudem wünsche sich in Wahrheit keiner das Chaos ohne Zeitfenstermanagement zurück. Das sei auch ein Gebot der Fairness, so Herten: „Jeder hat die gleiche Chance sich einzubuchen – wer frühzeitig agiert, hat natürlich mehr Auswahl als der, der auf den letzten Drücker kommt.“

Das diszipliniert nicht nur, sondern hilft auch in der Analyse: Wann ist das Aufkommen besonders hoch? Welche Buchungen müssen storniert oder verschoben werden? Welche Touren müssen anders als geplant durchgeführt werden?

„Unsere Performance, aber auch die unserer Partner kann damit signifikant verbessert werden“, sagt Herten. HAVI nutzt die Daten-Exportfunktion seitens Cargoclix und hat ein Dashboard entwickelt, das ein Mehr an Transparenz zu Daten­qualität, Pünktlichkeit und Auslastung ermöglicht. Das, so Herten, helfe auch in Zukunft dabei, weitere Optimierungen voranzutreiben.

Weltweiter Internetmarktplatz
Cargoclix ist ein Internetmarktplatz für die elektronische Ausschreibung von Trans­porten und Logistikdienstleistungen sowie Anbieter modularer Zeitfenstermanagement-Systeme. Die Dienstleistungspalette der Logistikplattform „Cargoclix Tender“ umfasst weltweite Ausschreibungen von Kontrakten für Transporte auf Straße, Schiene, Luftfracht, See- und Binnenschifffahrt, Kurier-Express-Paketdienstleistungen sowie Logistikdiensten, zum Beispiel Lagerei. Cargoclix ist eine Marke der Dr. Meier & Schmidt GmbH. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in Freiburg im Breisgau.

Manager großer Marken
Havi ist ein globales, eigentümergeführtes Unternehmen, das auf das Management und die Optimierung von Lieferketten führender Marken spezialisiert ist. Angeboten werden ganzheitliche, integrierte Lösungen entlang der gesamten Supply Chain vom Rohstoff bis zum Kunden. Die Services reichen von der Marketing-Analyse über Verpackungen und dem Supply Chain Management bis zur Logistik. Gegründet im Jahr 1974 beschäftigt HAVI mehr als 10.000 Mitarbeiter und beliefert Kunden in mehr als 100 Ländern. In Deutschland ist HAVI an insgesamt acht Standorten und mit rund 1.500 Mitarbeitern vertreten. Zu den Kunden zählen unter anderem McDonald’s, Nordsee, Kentucky Fried Chicken und Vapiano.

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