Zu Lande

Marvin Meyke,

Digitaler Rückspiegel für bessere Rundumsicht

Seit Juni liefert Mercedes-Benz Trucks den neuen Actros serienmäßig mit der MirrorCam aus – als bislang weltweit als einziger Hersteller in der Branche. Der digitalen Rückspiegel kann einiges mehr als die herkömmlichen Haupt- und Weitwinkelspiegel, und seine Leistungen gehen weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

© Daimler

Monitorbild mit Haupt- und Weitwinkelsichtbereich
Die MirrorCam besteht aus zwei links und rechts am Dachrahmen befestigten Kameras, zwei hochformatigen, im Fahrerhaus an den A-Säulen befestigten Monitoren sowie den Steuerelementen im Türmodul und im Secondary Display. Außerdem gibt es auf der Beifahrerseite sowie am Bett je eine Taste zum Einschalten der MirrorCam bei ausgeschal­tetem Motor. Die von den Kameras übertragenen Bilder werden mit einer Auflösung von 720 x 1.920 Pixel auf die zwei 15,2" großen Monitore übertragen. Analog zum herkömmlichen Spiegelsystem ist das Monitorbild in Haupt- und Weitwinkelsichtbereich gegliedert.

Da die Kameras der MirrorCam am Dachrahmen befestigt sind und sich die Monitore im Inneren des Fahrer­hauses befinden, hat der Fahrer eine verbesserte direkte Sicht durch die Seitenscheiben. Der Blick schräg nach vorn ist frei, weil die großen Außenspiegel fehlen, die dem Fahrer bei einem herkömmlichen Spiegelsystem in vielen Situationen die Sicht nehmen.

Rückwärts mehr sehen dank Weitwinkelmodus
Beim Rückwärtsrangieren unterstützt die MirrorCam den Fahrer ebenfalls: Die Anzeige im Display wechselt dann in eine spezielle Rangieransicht. Insbesondere das rückwärts um die Kurve Rangieren wird erleichtert, da auch weiter entfernte Bereiche im Fahrzeugumfeld größengleich dargestellt werden. Diese Ansicht wird automatisch beim Einlegen des Rückwärtsgangs aktiviert und bleibt dann auch beim Vorwärtsfahren bis zehn km/h oder bis zur Deaktivierung durch Knopfdruck angezeigt.

Sicherer um die Kurve durch Mitschwenken des Kamerabildes
Ein besonderes Highlight der MirrorCam kommt bei Kurvenfahrten mit dem Sattelzug zum Tragen: Hier schwenkt das Bild des kurveninneren Displays mit, sodass der Fahrer das Trailer-Ende während der Kurvenfahrt immer perfekt im Blick behalten kann. Mit einem herkömmlichen Spiegelsystem dagegen zeigt der kurveninnere Spiegel aufgrund des Knickwinkels des Sattelzugs oft nur die Seitenwand des Trailers. Der Fahrer läuft so viel eher als mit der MirrorCam Gefahr, die Kurve zu schneiden und mit einem Hindernis zu kollidieren.

MirrorCam bewährt sich auch bei Regen und Dunkelheit
Die hohe Anbauposition der Kameraarme gewährleistet nicht nur eine hervorragende Übersicht, sie verschmutzt an dieser Stelle auch deutlich weniger als der tiefer angeordnete Glasspiegel. Auch die wasser­abweisende Beschichtung der Kameraobjektive führt zu weniger Verunreinigungen. Zudem ist die Sicht auf die Bildschirme frei von Reflexionen und Schmutz auf den Seitenscheiben des Fahrerhauses. Das Kamerasystem ist automatisch beheizt, wenn die Temperaturen unter 15 Grad Celsius fallen, und die Helligkeit lässt sich getrennt für Fahrer- und Beifahrerseite einstellen. Per Tastendruck kehrt der Fahrer schnell zur Grundein­stellung zurück, wenn zuvor das Sichtfeld für spezielle Fahrsituationen manuell verschoben worden war. Bei Dämmerung und Nacht zeigt sich ebenfalls, dass die lichtstarken Kameras Vorteile gegenüber dem klassi­schen Rückspiegel haben: Das System passt sich dann stufenlos den sich ändernden Lichtverhältnissen an. Gleiches gilt für Bereiche mit künstlicher Beleuchtung wie beispielsweise in einem Tunnel.

Gutes Zusammenspiel mit dem Abbiege-Assistenten
Im neuen Actros und im neuen Arocs können MirrorCam und Abbiege-Assistent Hand in Hand arbeiten. Der Abbiege-Assistent ist ein Warnsystem, das den Fahrer dabei unterstützt, gefährliche Rechtsabbiegeunfälle zu verhindern. Zu diesem Zweck schlägt das System rechtzeitig optisch und akustisch Alarm, wenn im Warn­bereich auf der rechten Seite des Lkw eine Kollision mit einem stehenden oder beweglichen Objekt droht: Erst erscheint ein gelbes Dreieck im Display der MirrorCam auf der Beifahrerseite, dann ein rotes Dreieck. So kann der Fahrer in der Regel rechtzeitig bremsen, wenn er beim Rechtsabbiegen auf der Beifahrerseite etwas übersehen hat. Das ist insbesondere im unübersichtlichen Stadtverkehr mit vielen Radfahrern, Fußgängern und parkenden Autos von Vorteil. Damit nicht genug: Der Abbiege-Assistent fungiert außerdem als Spurwechsel-Assistent für die rechte Seite und warnt den Fahrer hier mit gelbem beziehungs­weise rotem Dreieck im Monitor der MirrorCam, wenn sich auf der rechten Spur neben ihm ein anderer Verkehrsteilnehmer befindet.

Weniger Probleme mit dem "Toten Winkel"
Und es gibt noch einen weiteren Sicherheitspluspunkt der MirrorCam im Vergleich zu einem herkömmlichen Spiegelsystem: Manche Fahrer sind unbeabsichtigt mit nicht optimal eingestellten Spiegeln unterwegs. So kann auf der Beifahrerseite ein gefährlicher "Toter Winkel" entstehen, in welchem andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Fußgänger aber zum Beispiel auch E-Roller leicht verschwinden können.

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In einigen Situationen genügt sogar schon eine geringfügige Änderung der Sitzposition, und schon hat sich der Fahrer selbst einen Toten Winkel auf der Beifahrerseite kreiert. Denn: Bei einem herkömmlichen Spiegel gilt für die Blickrichtung des Fahrers immer die Formel "Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel". Dieses Problem des Toten Winkels gibt es mit MirrorCam und Abbiege-Assistent nicht mehr, weil die Displays immer das gleiche Kamerabild zeigen – ganz gleich, aus welchem Winkel der Fahrer auf den Monitor schaut. Und im Zweifelsfall warnt der Abbiege-Assistent.

Überwachung des Fahrzeugumfelds während der Rast
Die MirrorCam lässt sich auch bei ausgeschaltetem Motor und nach der zweiminütigen Nachlaufzeit zum sicheren Verlassen des Fahrzeugs für jeweils weitere zwei Minuten vom Fahrerhaus anschalten. Zu diesem Zweck sind in der Kabine auf der Beifahrerseite sowie am Bett Schalter verbaut. Diese Funktion ist für den Fahrer ein angenehmer Sicherheitsgewinn, denn so kann er das Fahrzeugumfeld jederzeit in Augenschein nehmen, ohne dass dies von außen erkennbar wäre. Wenn sich zum Beispiel Diebe am Tank oder an der Ladung hörbar zu schaffen machen, kann der Fahrer das auch bei geschlossenem Vorhang beobachten und gegebenenfalls Alarm schlagen.

Positive Erfahrungen von Fahrern und Unternehmern

Da zwischenzeitlich immer mehr Actros und Arocs mit MirrorCam auf der Straße unterwegs sind, erleben auch immer mehr Fahrer die Vorzüge der MirrorCam: "Ich habe meinem Chef schon gesagt, dass ich künftig nur noch Lkw mit MirrorCam fahren möchte", sagt beispielsweise Tom Westphal. Der Fahrer der Spedition Wagenstetter aus Forsting in Oberbayern hat im Rahmen eines Langzeittests bereits auf 100.000 gefahrenen Kilometern positive Erfahrungen mit dem System gesammelt.

Auch für Westphals Chef, den Spediteur Klaus Wagenstetter, hat die MirrorCam viele Vorteile: "Der Kraftstoff­verbrauch des neuen Actros ist auf Autobahnen bis zu drei Prozent niedriger als der des Vorgängermodells. Daran hat die MirrorCam durch den Wegfall der Spiegelgehäuse als Angriffsfläche für den Fahrtwind erheb­lichen Anteil. Außerdem sorgen die vielen Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit, und Sicherheit wird bei uns im Unternehmen seit jeher großgeschrieben."

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