Kolumne Was Würmser wurmt #40

Marvin Meyke,

Mensch vor Maus oder der Stau muss weg

Anita Würmser
© privat

Überraschung. Mit Sorge haben die Parteien erkannt, dass Staus, kaputte Straßen und fehlende Verbindungen ein Problem sind. Dazu gehört in der Tat nicht viel. CDU/CSU wollen es mit Innovationen und schnellerer Planung richten, die SPD mit mehr Binnenschiff und Schiene, Bündnis 90/Die Grünen setzen auf mehr Schiene, Bäume und Elektro. Bei der Linken sollen wir wieder zu Fuß gehen, Fahrrad und Bahn nutzen. Der Rest ist mit 30km/h unterwegs. Die FDP setzt auf mehr Geld. Die AfD auch, und obendrein ein nicht näher definiertes Konjunkturprogramm Infrastruktur. Weil sich im Wahlkampf Versprechungen nicht selten umgekehrt proportional zum Sachverstand verhalten, lohnt ein Blick auf die Realitäten.

Nun, Geld für die Infrastruktur ist seit der letzten Legislatur reichlich vorhanden. Es kann nur nicht verbaut werden. Lange Planungszeiten haben den Infrastrukturneubau praktisch gegen Null gefahren. 25 Jahre für eine Bundesstraße, 30 Jahre für eine Bahntrasse - es wird in Generationen geplant, und weiter geflickt bis das autonome Fahren uns irgendwann vielleicht rettet. Zu wenig Planer, zu viele Vorschriften, und mit der UVP, kurz für Umweltverträglichkeitsprüfung, lässt sich nach Gusto jedes Infrastrukturprojekt beerdigen–zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Ein Mahnmal des Scheiterns liefert der Brenner-Basistunnel. Lange Zeit glaubten die Deutschen, das Projekt wäre nur Wiener Schmäh und italienisches Larifari. Tatsache ist, in nicht einmal zehn Jahren eröffnet der Welt längster Eisenbahntunnel. Über 400, vorwiegend Güterzüge könnten dann jeden Tag mit Tempo 250 auf 64 Kilometern Länge durch die Alpen sprinten. München-Verona in weniger als drei Stunden. Ein Traum. Leider noch für länger, denn es gibt noch nicht einmal eine Trassenplanung für den seit Anfang der 90erJahre beschlossenen Nordzulauf auf deutscher Seite. Österreich und Italien sind übrigens im Plan. Peinlich, oder?

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Wer die Menschen ernsthaft von Stau, Lärm und Schadstoffen befreien will, muss an die Planungszeiten ran, Innovation vor Verkehrsträgerideologien und Menschen vor Kosten setzen, den Verkehr auch öfter unter die Erde legen. Zu teuer? Für wen will man Geld denn sonst ausgeben! „Menschvor Maus“, sagte unlängst der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Ulrich Lange. Mäuse jedenfalls haben die Vorzüge des unterirdischen Verkehrs längst erkannt.

Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, ehemalige Chefredakteurin von „Verkehrs-Rundschau“, „Logistik Heute“ und „Logistik inside“ und aktuell unter anderem Initatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY Awards. In LT-manager nimmt „Mutti“, wie sie die Branche respektvoll nennt, exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund.

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