Kolumne: Was Würmser Wurmt

Mehr Geld! Echt jetzt?

Die Bahn wird saniert, weil man einen Beitrag zur Klima­wende leisten will? Echt jetzt? Ich dachte, weil die Bahn einfach zu langsam, zu marode und zu unpünktlich ist. Heruntergewirtschaftet von Parteienproporz und Arbeitnehmervertretungen, aufgerieben zwischen Kapitalmarktinteressen auf der einen und Daseinsvorsorge auf der anderen Seite hat das einstmals wertvollste Unternehmen Deutschlands längst Wert und Werte verloren.

Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, Initiatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY-Awards. In LT-manager nimmt „Mutti“, wie sie die Branche respektvoll nennt, exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund. © privat

Wie soll der Oldtimer unter den ­verkehrspolitischen Forderungen, die Verlagerung von der Straße auf die Schiene, in einem Unternehmen ge­lingen, in dem Arbeitnehmerinteressen über Marktfähigkeit und Innovation stehen und jede unternehmerische Entscheidung sofort das Autoimmunsystem der Gewerkschaften anspringen lässt. In einem Land, in dem private Gütergleisanschlüsse etwas für Masochisten sind, wo Trassenplanung und -bau Genera­tionen dauert, die Elektri­fizierung gar ein Jahrhundertwerk ist und die Geschwindigkeiten, mit denen selbsternannte Hochgeschwindigkeitszüge WLAN- und netzfrei durchs Land ­bummeln, andernorts nur ein müdes Lächeln auslösen.

Mit Geld. Das mit 86 Milliarden ­Euro größte Investitionsprogramm in 180 Jahren Bahngeschichte soll es jetzt richten. Dass noch mehr grünes Marketing und noch mehr Geld nicht die ­Lösung sein werden, sollte jeder Bahnchef eigentlich wissen. So ziemlich ­jeder ging in jedem Jahr als Prügel­knabe in den Verkehrsausschuss rein und kam mit frischen Milliarden für neue Züge wieder raus. „Wo sind sie ­geblieben?“, möchte man singen.

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Es stellt sich die Frage, ob der Verkehrsträger Bahn in einer Zeit exponentieller Innovationen überhaupt zukunftsfähig ist. Ideen haben wir genug, an Technologien fehlt es gerade auch nicht. Man könnte sagen, wir sind gut informiert, und trotzdem machen wir in der digitalen Transformation so ziemlich alles falsch, weil wir den ­gesellschaftlichen Wandel nicht ­berücksichtigen. Erfolg wird vom Konsumenten her gedacht. Die Schiene muss nicht billiger sein, diejenigen, die etwas zu sagen haben, müssen den Mut ­haben, das System Bahn neu zu er­finden: Japan hat die pünktlichsten ­Züge, China die schnellsten und wofür steht die Deutsche Bahn? Diese Frage gilt es im Personen- wie im Güter­verkehr zu beantworten, dann klappt´s vielleicht auch mit der Bahn.

 

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