Fracht für Shanghai

Luftfracht der Superlative

Hermes hat bereits eine Vielzahl anspruchsvoller Transporte realisiert. Für einen Maschinenhersteller hat der Logistikdienst­leister nun zwei Turbokompressoren von Köln/Bonn nach Shanghai transportiert – mit einer Antonov An-124.

© Hermes International

Transporte von und nach Asien sind für Hermes International Alltag. Doch als vor einigen ­Wochen ein traditionsreicher deutscher Anbieter von speziellen Industrielösungen vor einer logistischen Herausforderung stand, war allen Beteiligten sofort klar, dass dies ein außergewöhnliches Projekt werden würde: Zwei Turbokompressoren mit einem Gesamtgewicht von über 70 Tonnen sollten von Nordrhein-West­falen nach China transportiert werden. Der Zeitplan war eng: Von der ersten Anfrage bei Hermes International bis zur Auslieferung an den chinesischen Endkunden vergingen nur knapp acht Wochen. Ein logistischer Kraftakt, den es mit Sachverstand, Engagement und präziser Planung zu meistern galt.

Standard ist keine Lösung
In einem ersten Schritt wurde die ­Verladebarkeit geprüft. Der ur­sprüng­liche Projektplan sah vor, die Fracht auf See zu befördern. Schnell wurde den Logistikspezialisten jedoch klar, dass der Transport über den Seeweg in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit keine Option sein würde.
Um die gewohnte Qualität für den asiatischen Kunden nicht zu ­ge­fährden und die Fracht in-Time zuzu­stellen entschieden sich die beteiligten ­Parteien für die Beförderung per ­Luftfracht. Eine außergewöhnliche Herangehensweise, da die Kompressoren mit Abmes­sungen von 6 m x 3 m x 3,5 m und einem Gewicht von 31 ­sowie 41 Tonnen nicht in einem ­Linienflugzeug transportiert werden konnten. „Uns war sofort ­bewusst, dass wir mit einer Standardlösung nicht erfolgreich sein würden. Es galt daher ein Flugzeug zu finden, dass mit dem ­hohen Gewicht bei gleichzeitig kleiner Fläche zu­rechtkommt. Schnell war klar, dass hierfür nur eine ­Antonov ­An-124 in Frage kommt. Das Fracht-Flugzeug ist ­bei solchen Extrem­transporten al­­t­er­nativlos“, erklärt Eleftherios Trygousis, Commercial ­Sales Coordinator und Projektleiter bei Hermes International die Entscheidung, dass zweitgrößte Transportflugzeug der Welt zu chartern.

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Präzise Planung als Schlüssel zum Erfolg
Für die Logistikexperten gab es zahl­reiche Faktoren zu kalkulieren und zu organisieren. Unterstützt wurde Hermes International dabei durch die Locon Consult GmbH, einem unab­hängigen, auf die verladende ­Wirtschaft spezialisierten Beratungsunternehmen. Der Vorlauf sollte per Lkw auf der Straße erfolgen: Der Schwertransport musste vorab genehmigt und die ­entsprechenden Fahrzeuge gebucht werden. Darüber hinaus galt es die Zollformalitäten zu regeln, die Antonov An-124 zu chartern und die Fracht auf den Transport vorzubereiten. Aufgrund der punktuellen Belastung im Flugzeug musste für jeden Kompressor ein sechs Meter langer Transportrahmen (eine Schwerlastpalette) angefertigt werden, um das Gewicht im Flieger besser zu verteilen. Hier standen die Fachleute von Hermes International dem ­Maschinenbauer beratend zur Seite. Schlussendlich mussten auch noch spezielle Kräne für die Verladung der schwer­gewichtigen Fracht organisiert und die Slots für die Antonov gebucht werden. „In der Kürze der Zeit und bei einem solchen Extremtransport ist ­eine präzise Planung und Organisation schon ­eine Herausforderung. Der sind wir ­jedoch erfolgreich mit Erfahrung und einem eingespielten Team begegnet“, sagt Trygousis.

© Hermes International

Am Transporttag
Am Mittag des Transporttages hoben zwei Schwerlastkräne die Kompressoren auf zwei Tieflader, so dass ­diese planmäßig ihren Weg nach Köln/Bonn antreten konnten. Am Flug­hafen ­angekommen wurde die Fracht durch den Ground Agent und unter ­per­manenter Überwachung durch Eleftherios Trygousis gescannt und ­gesnifft (auf Sprengstoff und andere gefährliche Substanzen untersucht) und zum Vorfeld gebracht. Da am ­Flughafen die Airlines die Verladung der Fracht übernehmen, hat Hermes eine „Ready for Carriage“-Lieferung mit der transportierenden Volga-Dnepr Airline vereinbart. So konnten die ­Hermes-Mitarbeiter den gesamten Vorlauf engmaschig begleiten und die Unversehrtheit der Fracht sicher­stellen. „Uns ist es sehr wichtig, die Fracht so lange wie möglich zu begleiten, um eine lückenlose Qualitätskontrolle ­sicherzustellen“, betont Trygousis.

Verladung mit Hindernissen
Da das Vorfeld nachts anderweitig genutzt wird, hatte der Flughafen die Verladeerlaubnis lediglich bis 22 Uhr erteilt. Eine planmäßige Verladung war zwingend notwendig, weswegen Hermes bereits vorab den Kontakt zwischen dem Loadmaster der Volga Dnepr und dem Ingenieur des Ver­la-ders herstellte, um die Verladebarkeit zu gewährleisten. Auf dem Vorfeld wartete daher bereits ein Spezialkran inklusive Traverse auf die außergewöhnliche Fracht. Bevor die Verladung beginnen konnte, mussten die Kompressoren jedoch noch auf die angefertigten Schwerlastpaletten gehoben und eine Schwergutrampe an den Flieger montiert und justiert werden. Mit Hilfe dieser sollten die Schwergewichte behutsam in den Frachtraum geschoben werden. Dies geschah alles unter den wachsamen Augen von Projektleiter Trygousis und einigen Mitarbeitern des Kunden. Der wollte sich den Transport seiner Kompressoren mit dem zweitgrößten Frachtflugzeug der Welt aus nächster Nähe ansehen. Gegen 16.30 Uhr braute sich ein ­Gewitter über dem Flughafen zu­sammen. Trotz des engen Zeitplans entschieden sich die Verantwortlichen die Verladung zu unterbrechen. „Die Sicherheit des beteiligten Personals hat natürlich oberste Priorität. Darüber hinaus war auch die Unversehrtheit der Fracht nicht mehr gewährleistet“, ­erklärt Trygousis die Entscheidung. Nach zweistündiger Unterbrechung konnte die Verladung der Fracht weiter gehen und bereits gegen 20 Uhr war auch der zweite Kompressor im Frachtraum verschwunden und gesichert.

Auf alles vorbereitet
Dank einer professionellen Koordination wurde der gesamte Vorlauf in lediglich neun Stunden realisiert. Die intensive Planung hat sich ausgezahlt. „Kritisch wurde es lediglich als wir bis kurz vor Schluss noch nicht sicher wussten, ob wir wirklich in Shanghai Pudong landen könnten“, sagt T­rygousis und führt aus: „Wir sind ­natürlich stets auf Planabweichungen vorbereitet, waren aber froh, als die erforderlichen Slots doch noch erteilt wurden. Unser Plan B, den Flughafen in China Nanjing anzufliegen, kam daher nicht zum Einsatz.“ So konnten um 23 Uhr die Kompressoren schließlich vom Rollfeld der Bundeswehr aus ihre Reise nach China antreten.

Auftrag endet erfolgreich in Shanghai
Auf der Flugroute waren planmäßig mehrere Zwischenstopps vor­gesehen. Da die gewaltige Antonov nicht in der Luft betankt werden kann, ­geschah dies vom Boden aus. Die Crew ­wurde ausgetauscht, das Flugzeug und auch die Fracht erneut überprüft. „Die ­Zwischenstopps boten uns eine wertvolle Möglichkeit den Zustand der Fracht noch einmal eingehend zu kontrollieren“, erläutert Trygousis die Vorteile. Als die Fracht schließlich am Flughafen in Shanghai eintraf, war der Auftrag für Hermes International beendet. Der Incoterm, der zwischen dem Maschinenbauer und dem Empfänger der Kompressoren ausgehandelt wurde, sah den Transport CFR Shanghai Flughafen vor. „Unser Kunde und auch wir selbst sind mit dem Verlauf extrem zufrieden“, zieht Trygousis die Bilanz zu diesem ungewöhnlichen Projekt, dass ihm sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. „Man chartert nicht ­jeden Tag eines der größten Frachtflugzeuge der Welt. Das ist auch für uns etwas ­außergewöhnliches“, konstatiert ­Trygousis abschließend.

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