Branchentreff

Gisela Upmeyer,

18. Hamburger Logistiktage: Davos-Spirit an der Elbe

Am 12. und 13. Februar fanden zum 18. Mal die Hamburger Logistiktage statt. Im Cruise Center Altona gaben die Veranstalter Jörg Hermsmeier und Dirk Lange (LMS/HLT) mit ihrem Event wieder eine Plattform für Informationen und Austausch.

LMS-Berater Dirk Lange sprach über die Optimierungsmöglichkeiten konventioneller Kommissionierung. © LMS

Der Blick von der Location auf die Elbe visualisierte die philosophische Erkenntnis: Alles ist im Fluss. Dies insbesondere in der Logistik, und hier nicht nur das Material, sondern auch das Mindset. Zwei Tage voll Kennenlernen, Wiedersehen, Erfahrungsaustausch, Inspiration und Geschäftsanbahnungen wurden von weit über 300 Entscheidern und Führungskräften der Logistikbranche genutzt, um Bedeutendes und bei allen Veränderungen auch zukünftig Wichtiges herauszuarbeiten und dabei Mitstreiter für sinnvolle Wege zu finden.

Über allem stand das Gewissen der Logistik und die Verantwortung für Mensch und Umwelt. Themen wie Green Logistics und CO2-Reduzierung hatten Präsenz, wie auch das Wohl des Menschen. Zudem positionieren sich die Hamburger Logistiktage mit dem USP, in einer technikdominierten Branche den Menschen nicht aus den Augen zu verlieren: Wie schon in den Jahren zuvor unterstützte die Veranstaltung durch Spenden von Gästen und Firmen das Kinder-Hospiz Sternenbrücke in Hamburg.

Aktuelle Themen und Impulse wurden durch eine Vielfalt von Vorträgen mit dem Plenum diskutiert:

“How Smart Containers Boost Supply Chain Efficiency”, Besim Rexhepi von der MSC Germany legte dar, wie durch intelligente Container-Technologie attraktive Daten generiert werden können, die für die Supply Chain von Industrien wie Automotive, Recycling, Tabak und High Tech deshalb smart sind, weil durch sie die logistischen Effizienzfaktoren Zeit und Kosten eingespart werden können. Sein Ratschlag: Being productive instead of busy!

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Kevin Bär von E.ON Energie Deutschland sprach über Möglichkeiten und Trends für eine Energiewende in der Logistik. Auch wenn in den letzten 40 Jahren die CO2-Emissionen massiv angestiegen sind, so ist mit Nutzung der bestehenden Technologie eine CO2-Reduktion von 80% durchaus möglich. Ob durch Veränderung der Antriebe, wie z.B. durch Wasserstoff in der Binnenschifffahrt schon praktiziert, oder aber auch durch Gewächshäuser nahe am Kunden – seine Forderung: Alles tun für eine CO2-freie Welt!

Edwin Mantel von EDEKA Südwest und Dr. Markus Ehrmann, Deutschland-Chef von Vanderlande, beschrieben die Erweiterung der Frischelogistik für das Fleischwerk von EDEKA Südwest in Rheinstetten. Deutschlands größter Lebensmittelanbieter wollte an diesem Standort mit circa 700 Mio. Euro Umsatz die Kapazitäten erhöhen und die Effizienz weiter steigern. Dies ist Dank Vanderlande mit innovativer Technologie und vor allem gutem Prozessmanagement auch gelungen: Bei laufendem Betrieb konnte das Projekt realisiert und die Kapazität verdoppelt werden. Die Vanderlande-Philosophie: In a world of technology, a belief in people!

Über „Next Generation Train Cargo – Hocheffiziente intermodale Logistik“ referierte Prof. Dr.-Ing. Tjark Siefkes vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik. Ob kurze oder lange Entfernungen, wie sehen die Zukunftslösungen von urbaner Mobilität bis zur neuen Seidenstraße aus? Bezogen auf Personen- oder Gütertransport: Sicherheit und Zuverlässigkeit werden auch die Trümpfe der Zukunft sein. Sein Anspruch: Autonom allein bringt nichts – Intelligenz muss die Gesamtheit koordinieren.

Wie Ökosysteme die Supply Chain verändern, erläuterte Björn Anderseck von Mars. Durch die Einbettung in ein Ökosystem, welches Nutzerdaten verbindet, ist aus dem Sektor Petfood das Geschäftsfeld Petcare bei Mars geworden. So erkannte neue Kundenanforderungen rund um das Kerngeschäft lassen neue individuelle Angebote entstehen, was wiederum neue Anforderungen an die Supply Chain stellt. Mars macht es vor: Think big and colorful!

Dirk Lange, Gastgeber und Mitinhaber der LMS Logistik Management Service, erläuterte, welche Strategien geeignet sind, um konventionelle Kommissionierung zu optimieren. Ob es sinnvoll ist zu automatisieren, darüber entscheidet die Wirtschaftlichkeit. Es gibt daher auch viele Gründe, eher konventionell zu Kommissionieren. Was hier die optimale Lösung ist, hängt von den Treibern Weg und Zeit ab. Durch Simulation verschiedener Strategien kann das sinnvollste Szenario ermittelt werden. Wir sehen: Diese Berater machen (durch-)spielend aus Aufgaben Lösungen.

Stefan Schmaus von Rapunzel sprach über die glokale Bio-Lebensmittellogistik des Naturkostherstellers aus dem Allgäu und das aktuelle Erweiterungsprojekt des Logistikzentrums Bad Grönenbach mit Swisslog. Vor 45 Jahren gegründet, wächst das Unternehmen kontinuierlich und muss seine Kapazitäten und Leistungen vergrößern. Erkenntnis des Firmengründers: Das einzig Beständige ist die Veränderung.

Planung und Steuerung von logistischen Netzwerken im Rahmen der Unternehmensexpansion war auch das Thema von Dr. Wolfram Hauff von Villeroy & Boch. Ein Wachstum des global agierenden Traditionsunternehmens um 30% muss logistisch bewältigt werden. Dabei muss die Netzwerkoptimierung nicht nur der Ist-Situation gerecht werden, sondern auch zukünftige Entwicklungen mit Service- und Marktanforderungen mit einkalkulieren. Dank leistungsfähiger Tools und SIEMENS: Welcome to the Future!

Prof. Dr. Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien gab intellektuellen Input zu digitaler Innovation und Disruption in der Logistik. Konsequenzen für gesellschaftliche Entwicklungen, unternehmerisches Handeln, Führen sowie individuelle Weiterentwicklung wurden in diesem Kontext beleuchtet. Laufender Wandel ist stetiger Begleiter der Logistik, und deren Zukunft ist eine Innovationsreise. Disruption findet vor allem dann statt, wenn die Beteiligten träge, selbstgerecht und zukunftsblind werden. Seine Forderung: Wir brauchen eine 360° Sichtweise der digitalen Infrastruktur für Investitionen, Sicherheitskonzepte, Innovationsförderung und Akzeptanz. Ob vertikal oder lateral gedacht wird – Hauptsache kreativ.

Stefan Schwarz von Tollkühn Shoppartner und Johannes Traub von AM-Automationerklärten in ihrem Vortrag, warum Tankstellenpächter keine Ladenhüter kennen. Der Volllieferant für Tankstellen ist in Deutschland mit 93% Marktführer im Autobahnbereich. Zusammen mit AM-Automation wurde eine neue Lagerlösung implementiert. Ziel des Logistikkonzeptes war unter anderem die größtmögliche Automatisierung aller Vorgänge. Dies wurde mit AutoStore erreicht. Zudem konnte über die effizientere Lagerlogistik auch die Kundenzufriedenheit erhöht werden. Und wir wissen: Genau darum geht es.

Die Logistik des führenden Schweizer Omni-Channel Händlers für Heim- & Unterhaltungselektronik legte Dr. Georg Weinhofer von Interdiscount & microspot.ch dar. Die beiden Unternehmen sind zwei Formate eines Geschäftsbereichs und verfügen über drei Verkaufskanäle. In der Schweiz praktizieren der führende Anbieter für Heimelektronik und das Non-Food Online-Einkaufszentrum eine Omnichannel-Logistik aufgrund der verschiedenen Kanäle in Beschaffung, Verkauf und Lieferung. Online und/oder offline – der Kunde kauft und wird beliefert wo er möchte. Denn Ziel ist die Kundenzufriedenheit.

Über Feinstaub ade! City Logistik mit LNG Lkw sprach Torsten Oldhues von HAVI Logistics. Das weltweit agierende Unternehmen ist eine der größten LNG-Flotten in Deutschland und seit 35 Jahren grün unterwegs. LNG ist im Einsatz, damit die Feinstaub- und Lärmbelästigung in den Innenstädten weiter reduziert wird. Dafür wurde eine eigene Tankstelle eingerichtet, welche sich aufgrund der Mangelsituation zu einem interessanten Zusatzgeschäft entwickelt hat. Langfristig ist sogar Bio-LNG die Perspektive: Grün auf ganzer Strecke.

Dr. Volker Lange und Benedikt Mättig vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik referierten über Digitale Assistenten in der Welt der Logistik und stellten die Frage nach deren Potenzialen der Zukunft. Auch wenn 60% der Mitarbeiter in der Logistik „Digital Foreigners“ sind, ist die Interaktion von Mensch, Maschine und System im Zeitalter von Industrie 4.0 mit neuen digitalen Lösungen und Komponenten unumgänglich. Besonders im Verpackungsprozess und im Ladungsträgermanagement ist der Einsatz von solchen Assistenten zur Qualitätssteigerung sinnvoll. Ihre Feststellung: Die Potentiale hängen vom Machen ab.

Produktion 2040 - Wie sieht Industrie 4.0 nach dem Hype aus? Diesen Ausblick gab Prof. Dr. Andreas Syska von der Hochschule Niederrhein. Zwischen Blütenträumen und Schreckensszenarien bewegt sich das Bild von der Rolle des Menschen in der Zukunft. Was fehlt, sind eine klare Vision und eine aktive Gestaltung der humanen Seite von Digitalisierung und Industrie 4.0. Gefordert sind deshalb kritisches Denkvermögen von Philosophie und Ethik sowie Fantasie. Die Zukunft ist das Ergebnis von Taten, Taten sind das Ergebnis von Plänen, und Pläne sind das Ergebnis von Visionen. Seine Aufforderung: Seien Sie mutig.

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