LogiMAT-Chef Michael Ruchty im Interview

"Shows überlassen wir anderen"

LogiMAT-Chef Michael Ruchty © Thilo Härdtlein

Im Februar 2019 hat die Intralogistik-Branche in Stuttgart ihr nächstes Messehighlight: zur LogiMAT 2019 werden über 1.600 Aussteller erwartet. Die 2019er Ausgabe ist die erste unter der Regie von Michael Ruchty, der im März 2018 das Zepter von „Mr. LogiMAT“ Peter Kazander übernahm. LT-manager sprach mit Michael Ruchty, Projektleiter der Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH, über Messeplanung, den Blick aufs große Ganze und seine Liebe zum puzzeln.

LT-manager: Herr Ruchty, gibt es in Anbetracht der erfolgreichen Jahre der Messe eigentlich einen noch einfacheren Job, als die LogiMAT zu leiten?
Michael Ruchty:
Chefredakteur bei LT-manager (lacht)? Spaß beiseite, es ist natürlich ein sehr angenehmes Arbeiten. Aber in Anbetracht der Vielzahl unserer Aussteller und der Vielzahl der Wünsche und Anforderungen, ist es nicht ganz so einfach wie es aussehen mag. Spaß macht es aber immer.

LTM: Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten?
Ruchty:
Definitiv. Wir haben viele „Wiederholungstäter“, sprich Aussteller, die seit sehr langer Zeit mit dabei sind und die nach mehr Fläche, mehr Fläche und mehr Fläche fragen, Hier müssen wir aber auch Aussteller, die seit 16 Jahren dabei sind leider oft enttäuschen, denn wir wollen die Vielfalt, die Stuttgart von Anfang aus auszeichnet, nicht aufgeben. Sie ist es, die die LogiMAT ausmacht.

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LTM: Wie groß sind die Fußstapfen von „Mr. LogiMAT“ Peter Kazander?
Ruchty:
Peter Kazander hat Schuhgröße 45, ich 41 – ich habe in der Hinsicht also noch viel Platz. Natürlich hat Peter ein riesen Erbe hinterlassen, aber seine Tür ist immer offen für mich. Zudem arbeite ich seit mehreren Jahren an seiner Seite und habe bereits viele operative Tätigkeiten im Hintergrund mit abgewickelt.

LTM: Gibt es Aussteller, die trotzdem den Peter Kazander anrufen, wenn Herr Ruchty nun mal „nein“ gesagt hat?
Ruchty:
Ja, aber ich denke, das passiert eher aus der Gewohnheit der vergangenen 16 Jahre heraus. Letztendlich wollen wir beide das Gleiche: Das beste Ergebnis für unsere Aussteller und Fachbesucher.

LTM: Was konnten Sie sich von Herrn Kazander abschauen?
Ruchty:
Vor allem den Umgang mit allen Beteiligten, nicht nur mit den Ausstellern. Das Partnerschaftliche von Peter Kazander versuche ich zu verinnerlichen. Das ist einer der großen Erfolgsfaktoren der Messe. Immer vor Ort zu sein, immer da zu sein, und wenn es nur ein Blumengesteck ist, das fehlt und das ein Aussteller unbedingt sofort haben möchte.

LTM: In welcher Phase der Messevorbereitungen befinden Sie sich gerade, im September?
Ruchty:
Wir haben im Juli die Hallenpläne und Platzierungen verschickt und sind aktuell dabei, kleinere und größere Kundenwünsche, hauptsächlich im Bezug auf Umplatzierungen, umzusetzen. Daneben arbeiten wir massiv am Rahmenprogramm.

LTM: Wenn die Frühbucherphase Ende Mai vorbei ist, beginnt das große Puzzlespiel der Hallenbelegung?
Ruchty:
Ja, wenn Sie da am Anfang davor sitzen, haben Sie immer das Gefühl: „Das wird nie gehen“. Es ist ein riesiges Puzzle…

LTM: Ihr Bedarf an Puzzle ist damit gedeckt oder puzzeln Sie auch gern privat?
Ruchty:
Nein, das wird erst kommen, wenn mein Sohn alt genug ist dafür …

LTM: … dann ist die Zahl der Teile auch sehr überschaubar (lacht). Andererseits kann man Puzzleteile nicht zuschneiden wie Standpläne. Und Sie planen die Messe wirklich noch auf Papier?
Ruchty:
Ja, wir haben hier maßstabsgetreue Pläne, in die wir die Stände stecken. Es ist wesentlich einfacher die unterschiedlichsten Ausstellerwünsche zu berücksichtigen wenn man die Stände in den Händen hat. Am Ende wird der Plan dann digitalisiert und natürlich mit einem CAD-Programm nachgemessen.

LTM: Und dann versenden Sie die Pläne und stellen erstmal das Telefon ab?
Ruchty: Ja, für mindestens eine Woche (lacht). Selbstverständlich nicht, Sie können sich vorstellen, dass nach dem Versand der Standplatzierungen das Telefon erstmal nicht mehr stillsteht. Bei 1.200 Ständen ist klar, dass nicht alle sofort zufrieden sind. Und diejenigen, die es sind, rufen ja eher selten an und loben uns (schmunzeln). Unsere größte Herausforderung dabei ist, dass die Messe beim Versenden der Pläne schon fast voll und der Spielraum entsprechend klein ist.

LTM: Ist der Standort Stuttgart gesetzt und wenn ja, für wie lange?
Ruchty:
Es gibt keine Überlegungen, aus Stuttgart wegzugehen. Die Verträge sind über 2019 hinaus geschlossen. Und, was uns sehr freut: Wir haben von Plänen gehört, eine weitere Halle zu bauen.

LTM: Meine nächste Frage wäre nach dem Plan B gewesen, sprich, was zu tun ist, wenn die Messe weiter wächst …
Ruchty:
Dann ist jedes Jahr aufs Neue unsere grenzenlose Kreativität gefordert. Die neue Halle 11 wird noch einige Jahre auf sich warten lassen.

LTM: Auf das Dach oder in Zelte müssen Sie also nicht ausweichen?
Ruchty:
Wir haben 2019 erstmals die Halle 2 und die Galerie in Halle 1 zur Verfügung und der Zuspruch ist bestens. Sprich: Es gibt auch 2019 Flächenwachstum.

LTM: Die Zelt-Idee hält sich hartnäckig …
Ruchty:
Ein Zelt ließe sich aufstellen, aber die Logistiksituation vor Ort erlaubt es nicht. Das Zelt kann nicht erst am Montag Abend aufgebaut werden und ist extrem teuer. Dazu kommt dass bei einem Zelt es ist wie so oft im Leben – alle wollen es, aber niemand möchte rein. Und auf dem Dach würde es sehr frisch werden (lacht).

LTM: Auch der Zeitpunkt der Messe ist also fix?
Ruchty:
Ja, die LogiMAT wird im Frühjahr bleiben.

LTM: Was, denken Sie, kann die LogiMAT besser als die Messe in Hannover?
Ruchty: In einem Wort: Kundenservice. Das wird uns häufig von Ausstellern bestätigt, dass bei „uns“ ein Anruf genügt bei Problemen und es gibt direkt eine Lösung. Mehr möchte ich zu den Unterschieden gar nicht sagen, es kann nicht unsere Aufgabe sein der Deutschen Messe AG Tipps zu geben, wie man Messe macht.

LTM: Ist geplant, die Messe noch inhaltlich zu erweitern oder verbietet sich das in Anbetracht des beengten Messegeländes?
Ruchty:
Nein, aber anpassen geht. Wir schauen sehr genau, in welche Richtungen sich die Märkte entwickeln. Wir haben selbst Ideen und achten aber genau auf den Input der Aussteller.

LTM: Wie wägen Sie zwischen neuen Ausstellern aus neuen Bereichen und den „Altgedienten“ ab? Zehn neue oder zehn alte?
Ruchty:
Gar nicht. Wir pflegen unsere treuen, langjährigen Aussteller und selbstverständlich achten wir auf eine „Auffrischung“. So rechnen wir aktuell für die LogiMAT 2019 mit rund 250 neuen oder zurückkehrenden Unternehmen, also Firmen, die in den vergangenen drei Jahren nicht in Stuttgart ausgestellt haben. Klar sehen die Hallen auf den ersten Blick immer gleich belegt aus, aber es gibt immer Veränderungen. Viele Unternehmen geben uns auch das Feedback, dass ihre Kunden gelernt haben über die Jahre, wo sich der Stand befindet und dementsprechend nicht mehr wechseln wollen. Insofern ist es manchmal auch gut, keine Überraschungen zu erleben als Besucher.

LTM: Ich erlebe auf der Messe Jahr für Jahr Überraschungen, aber das ist eher meinem schlechten Orientierungssinn geschuldet als Ihrer Messeplanung (lacht).
Ruchty:
Man kann sich durchaus verlaufen, 2019 reden wir über 120.000 Quadratmeter gesamt … Wir arbeiten dran, die Besuchergänge so gerade wie möglich zu halten, auch für Sie (schmunzelt).

LTM: Wie will und wird die Messe ihre Unabhängigkeit bewahren, nachdem der Messeveranstalter ja zu einem großen Verlag gehört?
Ruchty: Die Euroexpo als Messeveranstalter wurde 1996 als eigenständige GmbH gegründet und ist nach dem Namenswechsel der Messe seit 2003 ihr Veranstalter. Es gibt keine Verschränkungen zum restlichen Angebot des Verlags. Für unsere Medienpartner gilt das Gleiche wie für unsere Aussteller. Alle werden gleich und fair behandelt. Das ist ein Versprechen.

LTM: Herr Ruchty, Sie „machen“ seit 2007 in Messen. Was ist in Ihren Augen die signifikanteste Veränderung oder Entwicklung seitdem?
Ruchty:
Die Digitalisierung. Wir haben vor zehn Jahren die Handbücher für Aussteller gedruckt und versandt. Das geht glücklicherweise nun digital. Auf der Messe selbst ist die Quantität einerseits aber auch die Qualität der Messestände besser geworden. Wenn man sich ansieht, wie sehr die meisten Stände im Detail geplant sind, das war früher anders. Vor zehn Jahren: Graue Wand und vielleicht ein Poster drauf, fertig. Das beeindruckt mich immer wieder, wie sehr der Aufwand von Unternehmen gestiegen ist, sich auf der Messe zu präsentieren. Durch die beschränkten Möglichkeiten bei den Standgrößen ist es aber immer noch so, dass die LogiMAT keine Showmesse sondern eine Arbeitsmesse ist. Das ist gut so, das „Show machen“überlassen wir anderen Messen.

LTM: Was hat sich bei den Besuchern geändert?
Ruchty:
Die kommen wesentlich besser vorbereitet auf die Messe und agieren sehr zielgerichtet. Einfach mal nach Stuttgart und die Messe anschauen, das schaffen Sie an einem Tag nicht mehr. Um alles zu sehen, brauchen Sie drei Tage. Im Schnitt ist der Besucher 1,5 Tage auf der Messe laut unseren FKM-geprüften Auswertungen.

LTM: Was kann man als Messeanbieter noch an Tools entwickeln, um dem Besucher mehr Benefit für seinen Aufenthalt auf dem Gelände zu geben?
Ruchty:
Das ist keine einfache Frage. In erster Linie: Kommunikation. Dank unseren vielen Medienpartnern versuchen wir eine einmalige Vorberichterstattung in den Fachmagazinen zu erreichen. Wir haben außerdem die App zur Messe in diesem Jahr erweitert, wollen aber die Messe menschlich lassen und nicht alles digital oder virtuell dem Besucher vorgeben. Die Messe ist ein Marktplatz für Menschen.

LTM: Welche Anstrengungen werden unternommen, um die Verkehrssituation zur und von der Messe in den Griff zu bekommen?
Ruchty: Im Zuge der Erweiterung des Messegeländes werden zwei neue Parkhäuser gebaut, die zeitlich gesehen sogar noch vor der Halle 11 fertig werden sollen. Das freut uns sehr, denn Parken ist eines der Hauptprobleme auf der Messe. Ja, es ist war, vor dem Messebeginn der LogiMAT 2018 war am ersten Tag die Hölle los, es hat sich dann aber ab zehn oder halb elf Uhr aufgelöst. Wir sind mit der Abteilung Verkehr und Sicherheit der Messe Stuttgart, die einen super Job macht, in beständigem Austausch. Bei einer Messe in der Größe ist das eine oder andere Verkehrsproblem unvermeidbar.

LTM: Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein Messechef braucht – neben einer Affinität zum Puzzlespiel, wie ich lernen durfte …?
Ruchty: Herzblut und ein super engagiertes Team. Dazu einen grünen Daumen, denn die Pflanze LogiMAT muss auch weiter gehegt werden, um den Ausstellern und Fachbesuchern von Jahr zu Jahr diese hohe Qualität zu bieten

LTM: Welche Aufgabe als Messechef ist die Schönste, welche mögen Sie weniger?
Ruchty:
Die schwierigen Momente erlebe ich vor den Hallenplänen, wenn ich mir denke: „Wie soll das alles rein- und zusammenpassen“. Das bereitet oft Kopfschmerzen. Das schönste ist der Tag, an dem die Messe eröffnet wird und man sieht, dass alles läuft. Dann bereitet im schlimmsten Fall nur das Bier am Ausstellerabend Kopfschmerzen. 

LTM: Herr Ruchty, vielen Dank für das Gespräch.

 

Mit Michael Ruchty sprachen Marvin Meyke und Martin Schrüfer. „Mr. LogiMAT“, Titelheld der Ausgabe 2/11 von LT-manager und Vorgänger von Michael Ruchty als Messechef, gibt es übrigens auch noch: Dem Vernehmen nach richten sich alle Gedanken von Peter Kazander nun auf die LogiMAT China (15.-17.04.2019, Shanghai).

Michael Ruchty ist seit Mai 2011 bei der Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH in München. Zunächst als Messeberater und ab 2016 im Projektmanagement tätig, verantwortet er seit März als Messeleiter die LogiMAT – Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement in Stuttgart. Seine berufliche Laufbahn begann der Speditionskaufmann 2004 bei einem Sportartikelhersteller mit den Stationen Kundenservice, Vertrieb und Produktmarketing. Im Jahr 2007 wechselte Ruchty zu einem international tätigen Messeveranstalter mit Hauptsitz in Brüssel. Als Projektleiter DACH am Standort München war er dort für den Ausbau und die strategische Weiterentwicklung von Fachmessen im Bereich Logistik und Instandhaltung zuständig, bevor er 2011 seine Messekarriere bei der Euroexpo fortsetzte.

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