Aus LT-manager 5/2019

Robert Blackburn,

Gastbeitrag: Logistik im Wandel

Die Logistik wird mit ihren Spezialisten immer mehr eine Schlüsselkomponente für unternehmerisches Handeln. Dieser Verantwortung stellt sie sich – heute und in der Zukunft. Ein Beitrag von Robert Blackburn.

Robert Blackburn, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) © BVL

Mutig machen“ lautete Mitte Oktober 2019 das Motto des Deutschen Logistik-Kongresses der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Warum dieses Motto? Sind die Logistikmanager nicht mutig genug? Folgen sie nicht einer längerfristigen Strategie, erkennen sie nicht Poten­ziale, beweisen langen Atem bei der Umsetzung, sind offen für neue Entwicklungen und verstehen zum Beispiel die Digitalisierung als Chance und nicht als Bedrohung traditioneller Geschäftsmodelle? Fehlt ihnen etwa die Überzeugungskraft und Begeisterungsfähigkeit, Mitarbeiter und Partner in der Supply Chain mit auf die Reise zu nehmen? Nein, ganz sicher nicht. Sonst wäre die Logistik nicht zu dem geworden, was sie heute ist: Eine Schlüsselfunktion für den wirtschaft­lichen Erfolg der Weltwirtschaft.

Mut ist Voraussetzung für Erfolg
Es bestätigt sich immer wieder, dass Mut Voraussetzung für Erfolg ist. Mut entsteht aus Selbstvertrauen und Entschlossenheit. Er ist gleichzeitig ein gutes Mittel gegen sich selbst erfüllende Prophezeiungen – gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Er fördert Innovationen und ermöglicht es, global erfolgreich zu sein, Wertschöpfung und damit auch Arbeitsplätze zu sichern. Leistungsfähige, moderne Logistik verbessert durch effiziente Wertschöpfung die Unternehmensergebnisse und sichert die optimale Ressourcennutzung. Für die Ökonomie sind Kriterien wie Effizienz und Effektivität, geringe Betriebskosten, nie­driger Energieverbrauch oder effiziente Kundenbetreuung ausschlaggebend. In die Ökologie fließen Rohstoff- und Energieverbrauch, Materialverbrauch, Abfall, Emissionen im Betrieb, Ver­packung, Transport, Demontage und Entsorgung ein.

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Wandel ist tägliches Geschäft
Die Summe dieser Aspekte zeigt: Die Logistik spielt eine zentrale Rolle bei fast allen wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Themen und Entscheidungen. Gesellschaftliche Veränderungen, aber auch Techno­logiewechsel in der Mobilität verändern große Teile von Wertschöpfungsketten. Supply Chain Manager und Logistiker werden sich auf strukturell und konjunkturell verursachte Szenarien einstellen müssen. Der Wandel ist schon heute unser tägliches Geschäft. Die Logistik ist Treiber der digitalen Veränderung. Für mehr als die Hälfte der Logistik-Dienstleister (61 Prozent) ist Digitalisierung schon jetzt fester Bestandteil der Geschäftsstrategie. Die Mehrheit der deutschen Logistik-Dienstleister (56 Prozent) investiert an erster Stelle in Software und digitale Lösungen. Dies wird sich verstärken und beschleunigen. Im Mittelpunkt strategischer Entscheidungen steht im Moment vielerorts die Digitalisierung.

Um ihre Potenziale zu nutzen, gilt es, Innovations- und Investitionsbereitschaft, aber auch -fähigkeit zu stärken, auch wenn sich aus den bisherigen Technologietrends wie Automatisierung, Big Data, IoT, Blockchain oder Additive Manufacturing nicht sofort Use- und Business Cases für Logistikprozesse ableiten lassen. Wer jetzt ­unternehmerischen Mut beweist, hat die Chance, seine Zukunft zu sichern und zu gestalten.

Führung muss mitunter neue Wege gehen
Die digitale Transformation bedarf ­einer nachhaltigen Dezentralisierung der Entscheidungsprozesse und der Verantwortung in alle betroffenen ­Bereiche. Klare Zielvorgaben und Leitplanken sind erforderlich, nicht nur, aber auch um den Mitarbeitern die Angst vor Entscheidungen zu nehmen. Auch Führung muss dabei mitunter neue Wege gehen. Ein ­Beispiel: Damit Organisationen lernen und sich ent­wickeln können, müssen ­Fehler stärker als bisher in den Lern­prozess ein­bezogen werden. Es ist eine jahrzehnte­alte Erkenntnis: Die Bereitschaft und Fähig­keit zur Zusammenarbeit über Abteilungs- oder gar Unternehmensgrenzen hinweg kann große Potenziale freisetzen. Zusammen­arbeit scheitert aber ­immer noch viel zu oft schon an mangelnder Standardisierung der IT – und noch häufiger an Vorbehalten, Informationen gegenüber Partnern offenzulegen.

Mehr Transparenz in Echtzeit
Transportdaten, Bedarfsprognosen,­ Daten über Materialflüsse und ­Kostenstrukturdaten sollten idealer Weise mit anderen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette oder im Wertschöpfungsnetzwerk geteilt werden. Nur so können Komplexität beherrscht und neue Geschäftsmodelle implementiert werden. In digitalen Wertschöpfungsketten ist eine End-to-End-Kommunikation notwendig. Mehr Transparenz in Echtzeit führt zu besseren Planungs- und Steuerungsabläufen. Der dafür notwendige kulturelle Wandel muss gelernt, geübt und erfahren werden.

Bei Investitionen gibt es „Luft nach oben“
Neue Geschäftsmodelle antizipieren oder reagieren auf veränderte Kundenbedürfnisse und sichern so das bestehende Geschäft ab oder generieren Neugeschäft. Innovationen sind derzeit vor allem im Bereich digitaler Plattformmodelle anzutreffen, die ­hohe Transparenz schaffen und etablier­te Geschäftsmodelle herausfordern. Plattformmodelle stellen die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt – sei es in B2B- oder in B2C-Beziehungen. Kooperationen mit jungen Unternehmen oder Inkubatoren in der eigenen Organisation können die Innovationskraft stärken. Weltweit wachsen die Investitionen in Logistik-Startups massiv, wobei insbesondere asiatische Startups hohe Milliarden­beträge einsammeln: 2018 allein zwölf Milliarden Dollar mit einem resultierenden Wachstum von plus 243 Prozent. In der gesamten Region Deutschland, Österreich und Schweiz wurden gerade mal 73 Millionen Dollar Förderung investiert. Da ist noch Luft nach oben.

Globalisierung ist unumkehrbar
Die größten Risiken für die weitere Entwicklung liegen in den weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, die ganz überwiegend Folgen schlechter Politik sind. Insbesondere gilt das für die ungelösten und sich möglicherweise aus­weitenden Handelskonflikte, die zu Handelskriegen eskalieren könnten – und für den Brexit mit seinen Implikationen für das Gesamtgefüge in Europa. Aber: Die Globalisierung und die weltweite Arbeitsteilung sind unumkehrbar. Sie haben den Menschen weltweit mehr Wohlstand, Sicherheit, Nahrung und bessere Existenzgrundlagen beschert als alle Entwicklungshilfeprogramme der vergangenen 50 Jahre zusammen.

Nachhaltigkeit rückt in den Fokus
Im Fokus von Supply Chain Management und Logistik stehen dabei immer auch Aspekte der Nachhaltigkeit. Selbstverständlich wird es sinnvoll bleiben, immer wieder seine Beschaffungs­quellen und Warenströme zu hinter­fragen: Ist die Fragmentierung zielführend? ­Können wir Wege verkürzen, Auslastungen verbessern, Ressourcen einsparen, ­Allianzen schmieden? Letztendlich entscheiden hier Vernunft und Wirtschaftlichkeit. Wenn Transporte unter dem Druck internationaler Klimaschutz­regelungen stärker bepreist werden, ­relativieren sich Kostenvorteile aus dem Best Cost Country Sourcing. Und wenn Kon­sumenten höhere Transportkosten zahlen müssen, wird dies ihr Nachfrage­verhalten beeinflussen. Das kann bei Konsumgütern zu einer Verschiebung hin zu mehr regionalen Produkten führen. Auch ein solches Szenario beinhaltet dann letztlich wieder neue Chancen für eine veränderungsfähige Logistik.

Moderne Logistik und Supply Chain Management sind auf dem Weg, eine der bedeutendsten strategischen ­Größen zu werden, die branchenübergreifend über Erfolg oder Misserfolg nahezu aller Unternehmen entscheiden oder zumindest mitentscheiden.

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