Engpässe beseitigt

Schluss mit Staus ­­am Werkstor

Der oberfränkische Automobilzulieferer Dr. Schneider optimiert seit zwei ­Jahren mit Software von Inform seine Lieferlogistik. Der Durchlauf und die ­Abfertigung des Lieferverkehrs lassen sich so lückenlos steuern und ­dokumentieren.

© Inform

Automobilhersteller bringen neue Modelle einer Marke in immer kürzeren zeitlichen Abständen auf den Markt. Gleichzeitig steigt die Anzahl der individualisierten Konfigurationsmöglichkeiten laufend an. Diese Beschleunigung und Diversifizierung der Produktion bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Lieferketten, die auf immer komplexere Weise miteinander verflochten sind und sich über ganz Europa und weit darüber hinaus erstrecken. So kann ein einzelnes Bauteil eines Autos wie etwa der Motor bis zur endgültigen Montage bis zu 15 Ländergrenzen innerhalb der EU überqueren und 100 Verarbeitungsschritte durchlaufen. Der Lkw-Verkehr in Deutschland, auf den rund 72 Prozent der Transportleistung im Güterverkehr entfallen, hat nicht zuletzt deshalb in den letzten Jahren stark zugenommen. Allein die Zahl der in Deutschland gemeldeten Lkw hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt und beträgt heute nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts rund drei Millionen. Damit es bei der An- und Auslieferung von Gütern nicht ständig zu Staus vor den Fabriktoren kommt, können entscheidungsintelligente Algorithmen die Abfertigung von Lkws optimieren.

Schnittstelle zwischen OEMs und Lieferanten
Auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Kronach-Neuses stand vor der Herausforderung, den wachsenden Lieferverkehr zu entzerren. Der Automobilzulieferer stellt hochwertige Komponenten für den Fahrzeuginnenraum zur Verbauung in Kraftfahrzeugen her. Die Produkt­palette reicht dabei von hochintegrierten Verkleidungen über Module für Instrumententafeln und Mittelkonsolen bis hin zu Belüftungssystemen, die in Modellen namhafter Automobilhersteller wie etwa BMW, Daimler, VW oder Volvo zum Einsatz kommen. Auf der Suche nach intelligenten Lösungen wurde Dr. Schneider auf den Aachener Softwarehersteller Inform aufmerksam, der bereits erfolgreich mit Partnern und Kunden des Zulieferers im Bereich der Prozessoptimierung der Hoflogistik zusammenarbeitete. Mit dem von Inform entwickelten Optimierungssystem SyncroSupply kann das oberfränkische Unternehmen

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heute sowohl den Zustrom ankommender Lkw regulieren, als auch ihre Bewegungen auf dem Werksgelände flexibel steuern. Durch die Ausdifferenzierung der Produktion ist mittlerweile fast jedes Auto mit anderen Komponenten ausgerüstet. Da im Zuge des Just-in-time-Prinzips Bauteile aber nur zu dem Zeitpunkt und in der Stückzahl hergestellt und angeliefert werden, die für die Produktion erforderlich ist, sind die An­forderungen an die Logistik enorm. Automobilzulieferer sind dabei Knotenpunkte zweier Lieferketten: Sie benötigen zum einen selbst Material zur Herstellung von Autoteilen, sind aber zugleich Teil des Lieferantennetzwerks, das die Automobilhersteller mit Komponenten für die Endmontage von Fahrzeugen versorgt. Die daraus resultierende Komplexität der Warenströme und die Vielzahl der abzufertigenden Lkws stellt gerade mittelständische Betriebe vor große Herausforderungen: Sie müssen Lieferprozesse für die eigene Fertigung organisieren und den Automobilherstellern – kurz OEMs („Original Equipment Manufacturers“) – punktgenau die gewünschten Bauteile zustellen. Ohne entscheidungsintelligente Optimierungslösungen ist dies kaum mehr zu schaffen.

Komplexe Lieferlogistik erfordert smarte Lösungen
Um Material bei Dr. Schneider zur Weiterverarbeitung abzuliefern oder fertige Komponenten abzuholen, frequentieren täglich bis zu 100 Lkws und Lieferwagen das Werksgelände in Kronach, die es möglichst zeitnah zu be- oder entladen gilt. Den Lieferverkehr zu koordinieren, erwies sich für den Zulieferbetrieb mit der Zeit als Problem. „An manchen Tagen haben sich die Lkw bis auf die nahegelegene Bundesstraße zurückgestaut“, erzählt Christopher Holzmann, Projektleiter im Bereich der Werkslogistik bei Dr. Schneider. „Darum haben wir die Lkw-Zulaufsteuerung mit den Algorithmen von Inform optimiert.“„Vor allem zwischen 11 und 13 Uhr war der Andrang am Werkstor enorm“, erinnert sich der Projektleiter. Die immer komplexeren und enger getakteten Logistikprozesse ließen sich mit herkömmlichen Mitteln kaum noch bewältigen: „Alle ankommenden oder abgehenden Touren müssen bei uns noch am selben Tag abgefertigt werden. Früher wussten wir zwar, welche Liefer­ungen an einem bestimmten Tag unser Werk erreichen würden, kannten aber den genauen Zeitpunkt oft nicht. Ankommende Lkw haben sich zuerst beim Pförtner angemeldet und von ihm den Fahrzeugbegleitschein erhalten. Der Pförtner hat dann die zuständigen Abteilungen angerufen und die Lkw dort angekündigt. Ihnen wurde daraufhin eine freie Ladestelle im Hof zugewiesen, die sie anfahren sollten“, erläutert Holzmann.

Sowohl der Pförtner als auch der Verlademeister hingen ständig am Telefon, und Letzterer musste zusätzlich auch noch die ausgehende Fracht kontrollieren. „Unsere wichtigsten Hilfsmittel waren Telefon und Excel-Tabellen“, sagt Holzmann. „Wir hatten keinen durchgängigen Überblick, wo sich welcher Lkw mit welcher Fracht gerade auf dem Gelände befand.“ Doch wenn sich die Abfertigung einzelner Lkws ver­zögert, können hohe Standgeldforderungen seitens der Spediteure und wartende Kunden die Folge sein. Informs Lösung SyncroSupply hilft, dies zu vermeiden.

Zeitfenstermanagement und Zulaufoptimierung
Mit SyncroSupply, das die Dr. Schneider Unternehmensgruppe im Mai 2016 implementiert hat, lässt sich effektives und flexibles Zeitfenstermanagement betreiben: Spediteure können schon im Vorfeld im Internet Slots zur Lieferung oder Abholung von Material kostenfrei buchen. Dadurch lassen sich die Durchlaufzeiten der Lkw deutlich verringern und Ladestellenkapazitäten besser ausnutzen. Wartezeiten, Staus oder Engpässe in der Fertigung ge­hören damit der Vergangenheit an.

Bis zu 100 Lkw werden bei Dr. Schneider in Kronach täglich be- und entladen. © Inform

Unvorhergesehene Ereignisse können den lückenlosen Zeitfensterplan dennoch jederzeit auf den Kopf stellen. „Manche Fahrer sprechen weder Deutsch noch Englisch und können kaum mit unseren Mitarbeitern kommunizieren“, stellt Projektleiter Holzmann fest. „Es kommt vor, dass bestimmte Zeitstempel nicht korrekt gesetzt und Sendungen nicht dem richtigen Lkw zugeordnet werden oder angemeldete Lkw doch zu einem anderen Zeitpunkt bei uns eintreffen als angekündigt. Die intelligente Zulaufsteuerung unterstützt uns dabei, auch solche Pannen zu bewältigen.“ Die intelligenten Optimierungsalgorithmen berechnen dann einen neuen Ablaufplan, der eine reibungslose Abwicklung des Lieferverkehrs garantiert. Auf Wunsch von Dr. Schneider wurde die Software zusätzlich durch eine Warnfunktion ergänzt: Erreicht ein automatisch aufgerufener Lkw nicht nach wenigen Minuten die vorgesehene Ladestelle, erscheint im System ein Warnsymbol.

Lückenlos abfertigen
Zeitfenstermanagement und Zulaufsteuerung mit SyncroSupply erlauben Dr. Schneider eine lückenlose und flexible Steuerung der gesamten Lkw-Abfertigung im Werk. Christopher Holzmann erzählt: „Für nicht-wiederkehrende Touren müssen Spediteure sich schon vor der Anlieferung oder Abholung im Werk freie Zeitfenster im Ablaufplan sichern. Dabei wird eine Fahrtnummer vergeben, mit der sich die Fahrer der Lkws bei der Ankunft in Kronach-Neuses an der Werkspforte registrieren. Die Lkw begeben sich im Anschluss direkt an die zugewiesene Rampe oder auf einen Parkplatz, um dort auf ihren Aufruf per SMS zu warten. Während Lkws in den Bereichen Wareneingang und Behältermanagement bei Dr. Schneider automatisch abgefertigt werden, nimmt der Lademeister in der Versandabwicklung den Aufruf nach wie vor selbst vor.“

An der Pforte erhält der Fahrer des aufgerufenen Lkws einen Fahrzeugbegleitschein mit allen für die Abwicklung der Tour relevanten Informationen wie etwa der Fahrtnummer, sofern der Spediteur den Schein nicht bereits bei der Buchung des Zeitfensters selbst generiert hat. Nach dem Eintreffen an einer der zehn verfügbaren Ladestellen des Werkshofs werden von den dort stationierten Staplerfahrern Zeitstempel gesetzt, um Be- oder Entladung zu dokumentieren. Um den Ladevorgang abzuschließen, schießen die Staplerfahrer ein Foto des fertig beladenen Lkw, das zusammen mit der Fahrtnummer im System archiviert wird. Es soll belegen, dass die Fracht vorschriftsmäßig gesichert wurde. Im Fall des automatischen Aufrufs löst das System selbstständig den Aufruf des im Ablaufplan folgenden Lkws aus im Bereich des Versands nimmt der Lademeister diesen Schritt manuell vor, nachdem er dem Lkw-Fahrer die Versandpapiere über-geben hat. Abgefertigte Lkw können das Gelände verlassen oder die nächste Station im Werk anfahren.

Prozessoptimierung, die sich auszahlt
Dr. Schneider hat die Entscheidung für die Optimierung seiner Logistikprozesse mit SyncroSupply laut Projektleiter Holzmann bisher nicht bereut: „Wir gestalten heute den gesamten Lieferverkehr wesentlich effizienter. Warte- und Durchlaufzeiten sind deutlich kürzer geworden. Staus sind für uns heute kein Thema mehr. Dadurch konnten wir auch die Kooperation mit den OEMs optimieren.“ Die Lieferketten der Automobilhersteller und von Dr. Schneider greifen heute viel besser ineinander als zuvor, obwohl die Just-in-time-Produktion immer weniger zeitlichen Spielraum lässt.

Dank der zentralen Datenerfassung konnte Dr. Schneider außerdem vollständige Transparenz über seine Lieferbeziehungen herstellen. Dies entlastet die Mitarbeiter: Sie müssen nun viel weniger telefonieren als früher und können sich im System jederzeit einen Überblick über Lkw-Aufkommen, Versandvolumen oder anstehende Touren verschaffen. Für die Zukunft plant Holzmann eine Weiterentwicklung des Systems in enger Abstimmung mit Inform: „Für uns als Zulieferer wäre es von großem Vorteil, wenn wir unser eigenes ERP-System mit SyncroSupply zusammenführen könnten. Dadurch ließen sich die internen Prozesse noch weiter optimieren.“

Das Unternehmen Inform
...ist spezialisiert auf entscheidungsintelligente IT-Systeme. Das Unternehmen optimiert komplexe betriebliche und logistische Abläufe. So kann aus unüberschaubar vielen Alternativen auch bei großem Zeitdruck die passende Entscheidung getroffen werden. Während datenverwaltende Software nur Informationen bereitstellt, können Inform-Systeme nach Unternehmensangaben in Sekundenschnelle große Datenmengen analysieren, zahlreiche Entscheidungs­varianten durchkalkulieren und die bestmögliche Lösung dem Anwender zur Umsetzung vorschlagen. Inform entwickelt dafür seit 1969 wissenschaftlich fundierte Optimierungsalgorithmen und erschließt damit einen breit gefächerten Markt. Von Containerterminals, Verkehrsflughäfen, Finanzdienstleistern, Industriebetrieben, Großhändlern bis hin zu Lager- und Umschlagzentren sowie Transportunternehmen - heute betreuen über 750 Mitarbeiter mehr als 1.000 Kunden weltweit.

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