Zuversicht trotz Komplexität (aus: LT-manager 2/17)

Die 15. Hamburger Logistiktage von LMS gingen Mitte Februar im Stadion des FC St. Pauli am Millerntor über die Bühne und boten eine facetten­reiche Sicht auf die Herausforderungen an eine zukunftsfähige Logistik in immer komplexeren Wirtschaftsprozessen. Auch dieses Jahr hat Jörg Hermsmeier den Anspruch seiner Planungs- und Beratungsunternehmung LMS Logistik Management Service GmbH, welche er in Hamburg seit 1994 zusammen mit seinem Partner Dirk Lange führt, in den Logistiktagen auf den Punkt gebracht: Logistik muss nicht nur im Hier und Jetzt professionell funktionieren, sondern auch zukunftsfähig und dafür über Grenzen hinausgehend sein. Unterstützt wurde diese Philosophie bei der Veranstaltung durch ein engagiertes Sponsoring plus einer interessanten Begleitausstellung – besonders erwähnenswert hier die Premiumpartner Container Centralen, Still, PSI Logistics, Dachser und Wagner.

Internationales Auditorium — hochkarätige Referenten
Die Hamburger Logistiktage sind inzwischen eine feste Größe im Eventkalender der Logistikbranche. Und so waren es auch diesmal mehr als 300 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland, die  den hochkarätigen und abwechslungsreichen Vorträgen folgten, welche aus Forschung und Praxis Aspekte für die Betrachtung des Best Practice und den Blick in die Glaskugel für die Anforderungen von morgen zur Diskussion stellten.
Dr. Giovanni Prestifilippo, Geschäftsführer der PSI Logistics, und Christian Maasem vom FIR an der RWTH Aachen stellten „Smart Movement“ mittels IoT-Beacons vor, die mit dem PSItms kommunizieren, wodurch Transportprozesse und intralogistische Materialflüsse optimiert werden können. Danach referierte Werner Gliem von der Logistik-Initiative Hamburg über das Projekt SMILE – Smart Last Mile Logistics, was Citylogistik trotz wachsendem E-Commerce mit besserer Luft, weniger Lärm und mehr Verkehrsfluss ermöglichen soll.
Matthias Bähr von REWE sprach anschließend über das Supply Chain Management in der REWE Markt GmbH und deren Ausrichtung an den Inte­r­­e­ssen der Kunden. Seine Frage: Zufriedenheit zu welchem Preis bei immer höheren Anforderungen?
Einen Einblick in die Welt der Buchlogistik gab Uwe Ratajczak von der Unternehmensgruppe Koch, Neff & Volckmar (KNV). Die Branche in großem Umbruch wird sich nach seiner Darstellung in Zukunft auf wenige Dienstleister konzentrieren und zusätzliche Vertriebswege kreieren müssen. Erik Düwel von Still sprach über das interaktive Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Der assistierenden Funktion von Flurförderzeugen gibt er zukünftig große Bedeutung und stellte in diesem Kontext den Still iGOneo vor, der bei Effizienz, Ergonomie und Arbeitsschutz punktet. Über die Ermittlung der optimalen Lager- und Standortstrategie unter Rücksicht verschiedener Zukunftsszenarien sprachen im Anschluss Dirk Lange von LMS und Michael Bindernagel von Logipet, Großhandelsgesellschaft für den Zoofacheinzelhandel in Deutschland und Österreich.
Christian Seidl von Imperial legte dem Auditorium die größten Herausforderungen an die „Königsdisziplin“ Automobillogistik dar und zeigte am Beispiel von VW, wie eine reibungslose Supply Chain trotz steigendem Logistikaufwand dennoch funktionieren kann. Logistik im Travel Retail – Marco Rebohm von Gebr. Heinemann erläuterte Herausforderungen und Chancen in diesem besonderen Marktumfeld, zum dem Duty-Free-Handel an Flughäfen, in Airlines oder auf Kreuzfahrtschiffen gehört. Logistik ist Bestandteil der Wirtschaft und von deren Prosperieren abhängig. Insofern waren die Einschätzungen von Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln zur wirtschaftlichen Lage in Europa inte­re­ssant zur Beurteilung künftiger Logis­tikentwicklungen. Er sieht die positiven Wirkungen der Reformen in den europäischen Ländern und warnte davor, diese durch Umkehr des Kurses in Gefahr zu bringen.
Georg Weinhofer von COOP in der Schweiz referierte über das Ziel seiner Unternehmung bis 2023 CO2-neutral zu werden. Und sie sind auf dem besten Weg: Als visionäre und zukunftsfähige Lösung hat COOP inzwischen acht Elektro-Lastwagen für den Warentransport  zu Supermärkten im Einsatz. Wie tickt der Handel von morgen – online, offline oder omnichannel? Michael Gerling vom EHI sprach über die Zukunft des Handels und die der Geschäfte, die zwar bleiben aber anders aussehend weniger werden und sich dabei zukünftig in großen Städten konzentrieren.
Mit welchem Typus Mensch hat es die Arbeitswelt der Logistik demnächst zu tun? Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität Saarbrücken sprach als Repräsentant der Generation „Baby-Boomer“ über das globale Phänomen der Generation „Z“, wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle mit ihrer spezifischen Art ansteckt.
Das eigene Gefängnis der Gewohnheit durchbrechen und neue Wege wagen, dazu luden Alexander Hartmann und David Lohmüller mit ihren unorthodoxen Vorträgen ein. Der Medienprofi Hartmann legte Mechanismen dar, mit denen das Unterbewusstsein auf Erfolg programmiert werden kann – der Fotograph Lohmüller berichtete in Bildern von seinem Roadtrip bis ans Ende der Welt. Know-how-Transfer der besonderen Art –  gut für die Logistik.

Unterhaltsame Abendveranstaltung
Die traditionelle Abendveranstaltung wurde von den HLT-Abendpartnern Container Centralen, Garbe und Still im Ballsaal der Haupttribüne des Millerntor-Stadions ausgerichtet und bot in chilliger St. Pauli-Atmosphäre Gelegenheit zum Networking. Staatsrat Dr. Rolf Bösinger von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg ging als Dinner Speaker auf die Bedeutung der Logistik für Hamburg ein. Auch diese Logistiktage standen wieder unter dem Schirm des guten Zwecks, und es wurde wie auch die Jahre zuvor großzügig gespendet für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke unter der Leitung von Ute Nerge. So geht’s weiter: Die Location ist noch nicht bekannt, der Termin aber schon: Die nächsten Hamburger Logistiktage werden voraussichtlich am 21. und 22. Februar 2018 stattfinden. Gisela Upmeyer

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss