Zeit-Konferenz brachte Champions der Logistikbranche an einen Tisch

Frankfurt/M., 13.09. – „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser hatte nicht zuviel versprochen, als er zur Eröffnung der von der Zeitung veranstalteten Konferenz „Logistik & Mobilität – Zukunft auf den Weg bringen“ am 10. September von den „Champions der Branche“ sprach, die er und sein Team aufs Podium geladen hatten. Den Auftakt der eintägigen Konferenz bildeten zwei spannende Diskussionen um die Herausforderungen beziehungsweise Wachstumsperspektiven der deutschen Logistikbranche.

Dieter Posch.

Karl-Friedrich Rausch.

Bahn-Vorstand Rausch, eigentlich erst für die zweite Diskussionsrunde des Vormittags vorgesehen, war kurzfristig für Bahnchef Dr. Rüdiger Grube eingesprungen. Dieser hatte laut Kerstin Bund mit Hinweis auf seine aktuell dringend benötigte Anwesenheit in Stuttgart abgesagt, was im Kreise der rund 300 Konferenzteilnehmer für die ersten Lacher an dem Tag im Saal sorgte. Grube war aber nicht der einzige Abwesende: Auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth, die sowohl den Empfang am Vorabend beiwohnen als auch die Konferenz eröffnen sollte, fehlte.

„Stuttgart 21“ war dann auch der Aufhänger für den Start der Diskussion, Dieter Posch gab zu, dass er nicht unfroh sei, dass ähnliche Pläne (die auch für den Frankfurter Hauptbahnhof bestanden hatten) nicht realisiert wurden. Generell empfahl er „Mediation und Foren, auf das Baurecht pochen hilft allein nicht“. Zudem müsse die Zeit zwischen Genehmigung und Realisierung von Großprojekten generell verkürzt werden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Eine Meinung, der sich auch Peter Gerber anschloss.

Danach durften die Experten kurz definieren, was in Ihren Augen die dringlichsten Aufgaben der Logistikbranche in den kommenden Jahren seien. Lufthansa-Cargo-Vorstand Gerber favorisiert die „Förderung der Vernetzung der Verkehrsträger – jedem muss seine richtige Aufgabe zugeweisen werden“. Raimund Klinkner betonte die Wichtigkeit des Ausbaus der Datenkommunikation (Kabel, Funk) und der Wissens-Infrastruktur. Fraport-Chef Stefan Schulte meinte, man müsse sich „in den globalen Wettbewerben behaupten“.

Peter Gerber.

Auf die Frage, wie die Branche ihre Abhängigkeit von den Aufs und Abs der Weltkonjunktur reduzieren könne, antworteten die Podiumsteilnehmer vosichtig: „Das ist zwangsläufig so“, meinte Hessens Minister Dieter Posch, man könne aber vorhandene Kapazitäten besser nutzen, und, was die Infrastruktur angehe, erstmal Lücken schließen und nicht gleich neu bauen. Raimund Klinkner pflichtete bei: „Jede Krise abfedern zu können ist illusorisch“. Man müsse sich sogar auf eine noch höhere Volatilität einstellen, künftig. Peter Gerber empfahl, die Reaktionsgeschwindigkeit der Unternehmen auf Krisen zu verbessern, Stefan Schulte riet zu breiten Investitionen, um mit unterschiedlichen Geschäftsfeldern Krisen abfedern zu können.

Gegen Ende des Panels, das zentrale Fragen der Branche abarbeitete, bekannten sich alle Diskutierenden wenig überraschend zu Green Logistics und der Globalisierung: „Kein erfolgreiches Unternehmen denkt in nationalen Strukturen“ meinte beispielsweise Raimund Klinkner. ms

Lesen Sie auch den Bericht über die Diskussionsrunde „Integrierte, nachhaltige und sichere Logistik- und Mobilitätskonzepte – Neue Wachstumschancen für die deutsche Wirtschaft“ – das Panel war weitaus spannender, als es sein Titel vermuten lässt!

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss