Was Würmser wurmt #43: Anfälle von Mautfürsorglichkeit (LT-manager 3/18)

Ab 2019 wird die Lkw-Maut erhöht, Lärm und vielleicht auch Stau kosten extra. Obendrein sind in wenigen Tagen 40.000 Kilometer Bundesstraßen mautpflichtig und nicht zu vergessen: die Pkw-Maut steht auch schon in den Startlöchern. Die Milliarden sprudeln, vergessen das Debakel um die Mauteinführung. Nur eine kleine Gruppe leistet frei nach Asterix & Obelix Widerstand: Wir befinden uns im Jahre 2018 n.Chr. Alle Fahrzeuge in Deutschland sind bald von der Maut betroffen… Alle Fahrzeuge? Nein! Ein Volk von unbeugsamen Handwerkern und Busunternehmern hört nicht auf, der Maut Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Politiker, Unternehmer und Verbände, die in den befestigten Lagern liegen …

Neben den Reisebussen haben leichte Nutzfahrzeuge zwischen 3,5 und 7,49 Tonnen einen Freifahrtschein. Es sind ausgerechnet diejenigen, die man mit der Mautausweitung erwischen will. Klimaschutz und Dieselfahrboten zum Trotz fahren deshalb künftig reichlich alte Dieselschleudern genauso mautfrei wie emmissionsfreie Elektro-Lkw.

Die Logik hinter dieser Mautlücke erschließt sich nur schwer. Zum Schutz des mittelständischen Handwerks, heißt es offiziell. Derlei Anfälle von Fürsorglichkeit gegenüber Lkw-Unternehmern ist aus der Zeit der Mauteinführung indes nicht überliefert. Und während ich noch nachgrüble, warum ein Handwerker, der mit einem alten 7,49-Tonner Diesel auf der A3 von Frankfurt nach Duisburg fährt, schützenswerter ist als ein Transportunternehmer, der auf der gleichen Strecke mit einem nagelneuen Euro 6-Truck unterwegs ist, fällt mir auf: beide stehen sowieso die meiste Zeit im Stau. Der Handwerker zahlt 0 Euro, der Transportunternehmer fast 50 Euro. Das ist himmelschreiend ungerecht und wäre im Comic allemal ein guter Grund für eine veritable Prügelei mit den Römern. Dem sozialisierten Menschen hat man die Wut längst abgewöhnt. Selbst wenn wir innerlich kochen, bleiben wir gelassen und diplomatisch. Das funktioniert mittlerweile ziemlich gut – es sei denn, wir stehen im Stau oder es geht ums Geld. Bei der Maut trifft beides zu.

Wer Infrastruktur nutzt, soll dafür zahlen und wer für Infrastrukturnutzung bezahlt, der hat ein Recht auf eine Gegenleistung. Zumindest ein mora­lisches. Sichere Straßen, stabile Brücken und ein staufreies Fortkommen wären das Mindeste. Daran sollte der Erfolg einer Maut gemessen werden.

Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, ehemalige Chefredakteurin von ­„Verkehrs-Rundschau“, „Logistik Heute“ und ­„Logistik inside“ und aktuell unter anderem Initatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY-Awards. In LT-manager nimmt „Mutti“, wie sie die Branche respektvoll nennt, exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund.

Über Martin Schrüfer 1305 Artikel
Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss

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