Was Würmser wurmt #42: Blöde Frage, blöde Antwort (LT-manager 2/18)

Die Bundesvereinigung Logistik wird 40. Da kommt man ins Alter, in denen man Geschichten von früher erzählt. Doch Deutschlands größter Logistikverein wagt den Blick nach vorne und stellt zum Jubiläum eine ganz großartige Frage: Welche Personen, Unternehmen, Forschungs­einrichtungen oder Organisationen sind die ZukunftsmacherInnen der Logistik? Wer hat innovative Ideen, wer stellt die Weichen für eine positive Entwicklung? „Blöde Frage“, sagte kürzlich ein Spediteur, der an dieser Stelle nicht genannt werden will. Die Tatsache, dass es keine blöden Fragen gibt, sondern nur blöde Antworten, macht die Liste umso interessanter. Ich gestehe, dass ich selten so gespannt auf ein Ergebnis war wie in diesem Fall.

Wer würde sich schließlich nicht als Zukunftsmacher betrachten? Mir fallen da Hunderte ein, die sich dazuzählen. Doch die BVL hat sich ein Limit von 40 Menschen gesetzt. Eine gefährliche Zahl. Zuviel, um ausreichend selektiv zu sein, zu wenig, um allen Innovatoren gerecht zu werden. Die Messlatte liegt damit automatisch hoch. Gut so.

Von einem Zukunftsmacher erwartet man, dass er oder sie die Logistik nachhaltig geprägt und etwas herausgefunden oder getan hat, das die Art und Weise verändert, wie Dinge bewegt, gelagert, geliefert oder produziert werden. Glaubt man einigen Branchenmedien, können das heutzutage allerdings nur noch Start-ups. Allerdings muss man viele Frösche küssen, bis ein man einen Prinzen findet und wer will schon die Wiedergänger der Dotcom-Blase aus den 2000er Jahren auf einer Zukunftsmacherliste sehen – manchmal schadet auch ein kurzer Blick in die Vergangenheit nicht.

Spannend könnte die Frage nach der Nationalität der Zukunftsmacher werden. Wirtschaftlicher Erfolg verbunden mit neuen Technologien, da landet man leider immer in Amerika oder China. In Deutschland macht man zwar das technisch Mögliche, aber nur die wenigsten riskieren, die Zukunft selbst zu gestalten. Gesagt hat das Fraunhofer-Forscher Michael ten Hompel, der selbst bekannt dafür ist, seiner Zeit voraus zu sein.

Logistik ist essenziell für eine glo­balisierte Welt, und nüchtern betrachtet immer noch ziemlich ineffizient. Das bedeutet Potenzial für Zukunftsmacher, alles richtig zu machen und für den einen oder anderen vielleicht sogar einen Platz in der Logistics Hall of Fame.

Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, ehemalige Chefredakteurin von ­„Verkehrs-Rundschau“, „Logistik Heute“ und ­„Logistik inside“ und aktuell unter anderem Initatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY-Awards. In LT-manager nimmt „Mutti“, wie sie die Branche respektvoll nennt, exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund.

Über Martin Schrüfer 1305 Artikel
Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss