Spannender Piraterie-Vortrag bei der XING-Gruppe Schifffahrt

Hamburg, 31.08. – Spannender kann netzwerken kaum sein: Am 24. August hatte die XING-Gruppe Schifffahrt Kapitänleutnant d.R. Axel Schult für einen Vortrag eingeladen. Der Projektoffizier Piraterieprävention lieferte spannende Informationen über den Einsatz der Bundeswehr am Horn von Afrika.Schult stellte in dem Vortrag im Café Seeterrassen im Planten un Blomen Park einige Missverständnisse klar und warb Kraft seines Amtes um Verständigung zwischen der Bundeswehr, der Bundespolizei und den deutschen Reedern: „Das Zauberwort heißt Kommunikation“, meinte Schult und wiederholte dieses Credo einige Male während des Abends. Und Kommunikation scheint tatsächlich vonnöten, nachdem in der Reederschaft immer wieder mal Kritik an den Beteiligten aufkommt und dort die Rede davon ist, dass die Bundeswehr zum einen einen wirkungsvollen Schutz der Handelsschiffe vor Piraterie nicht leisten könne und zum anderen doch, mal ganz umgangssprachlich gesagt, einfach mal draufhauen sollte.

Kapitänleutnant d.R. Axel Schult wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass zum einen die EU-Mission Atalanta mit relativ wenigen Schiffen ein Gebiet, das 18 mal größer sei als die Bundesrepublik Deutschland, bewachen müsse. Zum anderen stehe als Missionsziel von ATALANTA mitnichten der Schutz der Handelsschiffe in den Büchern, sondern der Schutz der Hilfslieferungen im Rahmen des World Food Programs und der Hilfsmisson AMISOM (African Union Mission in Somalia). Danach komme nachrangig (!) die Verhinderung von Piratenangriffen auf die Handelsschiffe.

Die Verhaftung und Verfolgung der Piraten sei dann wieder eine andere Baustelle, und hier leistete Schult erneut exzellente Aufklärungsarbeit, da die Marine faktisch niemanden „verhaften“ könne und auch gar nicht dafür ausgebildet und eingerichtet sei. Komme es zu einer Verhaftung, müsse zwangsläufig der Verhaftete innerhalb von 24 Stunden einem Haftrichter vorgeführt werden – was auf hoher See und tausende Kilometer von der Heimat entfernt alles andere als einfach wäre. Und das das „Draufhauen“ ohne jegliche rechtsstaatliche Grundlage ein „no go“ sei, verstehe sich ja schon fast von allein.

Schult gab den Bemühungen der Marine dennoch ein gutes Zeugnis und nannte die Mission ATALANTA „einen vollen Erfolg“. So sei seit dem Beginn der Mission kein Schiff des World Food Programs oder von AMISOM angegriffen worden, die Zahl der Schiffe, die Piratenattacken erleiden, liege gegenwärtig bei einem Prozent. Zudem sei festzuhalten, dass noch kein Handelsschiff, das sich an alle Ratschläge und Vorgaben der beteiligten Organisationen gehalten habe, entführt worden. Dass die Mission ATALANTA dennoch eine lange sein werde, deutet auch Schult vorsichtig gegen Ende des Vortrags an. Das vollkommene Fehlen von staatlichen Strukturen in Somalia bilde einen ergiebigen und nie austrocknenden Nährboden für Piraten, die oftmals nur noch in einem Angriff eine Chance auf ein besseres Leben vermuten.

Dem Vortrag schloss sich wie immer ein ausgedehntes Networking an, bei dem Axel Schult den anwesenden Mitgliedern der XING-Schifffahrtsgruppe Rede und Antwort stand. Erneut eine gelungene Veranstaltung für alle Beteiligten, so lautet das Fazit des Abends. Zuletzt hatte die XING Gruppe Schifffahrt / Shipping Anfang Juli zu einem Vortrag über das Lenkdrachen-Programm des Unternehmens Skysails geladen (der LT-manager berichtete). ms

Foto: Axel Schult (l.) und Dr. Detlef Laub, Organisator der XING-Gruppe Schifffahrt

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss