Aus Ausgabe 3/11: Interview mit Dr. Andreas Gruchow, Deutsche Messe AG

Dr. Andreas Gruchow ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG.


Das nachfolgende Interview ist eine Ergänzung des Artikels “Spitzenleistung ohne Effizienz ist out” aus LT-manager, Ausgabe 03/2011 (S. 23)
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Welche Rolle nimmt die CeMAT für die Deutsche Messe AG im Reigen der zahlreichen Weltleitmessen, die Hannover ausrichtet, ein?
Die CeMAT ist eine der bedeutendsten Veranstaltungen auf dem Messegelände in Hannover. Mit einer Fläche von etwa 80.000 Quadratmetern netto gehört sie nach der CeBIT und der HANNOVER MESSE zu den Schwergewichten unter den Fachmessen, die von der Deutschen Messe veranstaltet werden. Wir sehen aber nicht nur die Bedeutung für Hannover, sondern auch für das internationale Geschäft. Die CeMAT richten wir mittlerweile auch in Russland, China, Indien und nun erstmals in Brasilien aus. Ferner decken wir das Thema Intralogistik auch mit der WIN in der Türkei ab.

Die Befürchtung, dass die CeMAT mit den internationalen Ablegern die Kernmesse in Deutschland kannibalisiert, ist ab und an zu hören. Was können Sie entgegnen?
Im Gegenteil. Die Weltleitmesse CeMAT in Hannover profitiert von ihren „Exporttöchtern“ in den dynamischen Wachstumsmärkten im Ausland. Wir erreichen zum Beispiel über die CeMAT SOUTH AMERICA, die wir erstmals im April 2011 veranstalten, neue Aussteller- und Besuchergruppen, die wir im nächsten Schritt für Hannover gewinnen können. Bereits zur CeMAT 2011 erwarte ich ein deutliches Plus bei Besuchern aus Südamerika.

Gibt es Gedankenspiele, den Rhythmus der Messe zu verändern, beispielsweise alle zwei Jahre anzutreten, um dem immer schnelleren Innovationszyklus entgegenzukommen?
Der bisherige Rhythmus ist gesetzt und entspricht dem Wunsch der großen Aussteller, vor allem der Flurförderzeughersteller. Ein Auftritt auf der Weltleitmesse CeMAT ist für diese Unternehmen ein großes Investment, welches man nicht jährlich, sondern nur alle drei Jahre rechtfertigen kann. Die CeMAT ist als Weltleitmesse und Headquarter-Event in einer herausragenden Position – dies wollen wir erhalten. Gleichwohl ist aber auch offensichtlich, dass andere Branchensegmente einen deutlich kürzeren Innovationszyklus haben und andere Rhythmen brauchen. Einige wünschen einen jährlichen Auftritt bei zugegeben reduzierten Flächen mit geringerem Aufwand. Dies sind zum Beispiel die Anbieter von Logistik-Software. Diesen Bedarf wollen wir künftig gerne auch befriedigen und gemeinsam mit der Branche Lösungen erarbeiten.

2008 versammelten sich 1.100 Aussteller auf rund 80.000 Quadratmetern Fläche auf der CeMAT. Welche Prognose geben Sie für 2011 ab?
Die CeMAT werden wir in einem nun nach der Weltwirtschaftskrise wieder sehr positiven Konjunkturumfeld ausrichten. Die Branche erwartet für 2011 ein Wachstum von rund 9 Prozent. Das wird der CeMAT natürlich zugute kommen. Ich gehe davon aus, dass wir erneut deutlich mehr als 1.000 Aussteller auf der CeMAT begrüßen können. Die Nettoausstellungsfläche wird wieder bei rund 80.000 Quadratmetern liegen. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass die CeMAT 2008 noch in einem seit Jahren durch immer wieder neue Rekorde geprägtem, extrem positivem Umfeld stattfand. Damals waren noch keinerlei Anzeichen einer globalen Wirtschaftskrise erkennbar. Viele Wirtschaftszweige befinden sich heute wieder auf einem Produktionsniveau, das dem Jahr 2005 entspricht – insofern ist ein Erreichen der Zahlen der CeMAT 2008 ein großer Erfolg und ein Commitment der Branche zu ihrer Leitveranstaltung.

Welche Neuerungen warten auf den Besucher im Vergleich zu 2008 im Bereich Service?
Der Besuch der CeMAT wird sich für alle lohnen, die mit Logistik zu tun haben. Auf der CeMAT werden zahlreiche Innovationen gezeigt, diese reichen von innovativen Flurförderzeugen über effiziente und nachhaltige Logstiksysteme bis hin zur allerneusten Logistiksoftware. Viele Aussteller werden an ihren Ständen Anwendungen live zeigen, sodass der Besucher einen praxisnahen Eindruck des Realeinsatzes gewinnt und nicht nur Zahlen, Diagramme, Animationen oder Fotos erhält. Darüber hinaus organisieren wir diverse Foren zu unterschiedlichsten Themen, in denen der Besucher sich über die neuesten Branchentrends informieren kann. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle das International CeMAT-Forum, das erstmals von der BVL organisiert wird. Neben nachhaltigen technologischen Entwicklungen von intralogistischen Systemen decken die Vorträge die gesamte Themenbreite logistischer Operationen ab. Sie reichen von der Gestaltung sicherer und zuverlässiger Lieferketten über die Distribution in Transportnetzwerken bis hin zum Terminalbetrieb in intermodalen Hubs. Schwerpunktländer sind Brasilien, China, Indien, Russland und die USA.

Wie schwierig ist es, den Status einer Welttleitmesse zu erhalten, so wie es die CeMAT geschafft hat? Was ist das Wichtigste dabei?
Wir sind ein internationales Unternehmen mit Tochtergesellschaften und Repräsentanzen auf der ganzen Welt. Sie alle arbeiten gemeinsam mit unserer Stammbelegschaft in Hannover sehr hart daran, dass wir den Status der Weltleitmessen erhalten. Nur diese hohe Internationalität bei den Ausstellern vor allem aber auf Besucherseite rechtfertigt den Status einer Weltleitmesse. Die CeMAT ist unangefochten die Nummer eins im Markt der Intralogistik. Für eine Weltleitmesse sprechen auch die dort gezeigten Innovationen – keine Logistikmesse bietet mehr. Es gibt weltweit keine vergleichbare Plattform für die Intralogistik-Hersteller, um die von ihnen entwickelten Produktneuheiten einem so thematisch fokussierten und internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Eine Weltleitmesse muss vor allem aber auch Trends setzen. Das wird auch in diesem Jahr wieder gelingen. Das Schwerpunktthema der CeMAT 2011 lautet „Sustainability in Intralogistics“, welches wir gemeinsam mit führenden Branchenvertretern und Gremien entwickelt haben. Die CeMAT-Aussteller werden es in ihren Präsentationen und auch Vorträgen aufgreifen und Intralogistiklösungen zum Thema Nachhaltigkeit präsentieren. Eine Weltleitmesse muss aber auch etwas für den Branchennachwuchs tun. Mit unseren Initiativen Campus Intralogistik und erstmals auch TectoYou auf der CeMAT sprechen wir gezielt Schüler und Studenten an, um sie für die Branche zu interessieren und als Nachwuchskräfte der ausstellenden Industrie zu gewinnen. Die CeMAT wird das Branchenhighlight des Jahres 2011 sein!

Über Martin Schrüfer 1305 Artikel
Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss