MS Waldhof – Kentern mit Ansage?

(Foto: GPZ "Havarie Loreley")

St. Goarshausen/Hamburg, 01.02. – Das Fachmagazin „Binnenschiffahrt“ meldet nach eigenen Angaben neue Erkenntnisse zur Havarie der MS Waldhof auf dem Rhein – und mutmaßt, dass ein fehlendes Längsschott zur Katastrophe geführt haben könnte.Bislang tappen die Experten offiziellen Verlautbarungen zufolge, was die Unfallursachen angeht, noch im Dunkeln. Wie die am 31. Januar erschienene Fachzeitschrift „Binnenschifffahrt“ in einer Pressemitteilung vorab berichtete, soll das havarierte, mit rund 2400 t Schwefelsäure beladene Unglücksschiff zwar eine Doppelhülle haben. Aber:

„Was bislang u.a. aufgrund einer unmittelbar nach dem Unglück von der Reederei verhängten Nachrichtensperre der breiteren Öffentlichkeit unbekannt ist: Das Schiff soll keine Längsschott eingebaut haben, was auch nicht vorgeschrieben ist. Das habe bei halb befülltem Tank zu Aufschaukeln führen können. Schwefelsäure hat ein spezifisches Gewicht von 1,84, also weit über 1 (= Wasser). Die »Waldhof« war deswegen nur zu zwei Dritteln befüllt gewesen. Sollten sich die Vermutungen bewahrheiten, wären Auswirkungen auf die Vorschriften und die weitere, bis 2018 abzuschließende Umrüstung von Ein- auf Doppelhüllenschiffe nicht auszuschließen.“

Wie die „Binnenschifffahrt“ weiter schreibt, wurde das Schiff 1993 von der Damen Werft in Hardinxveld (Niederlande) damals im Auftrag der Euromar BV in Zwijndrecht gebaut. Seit 2005 gehöre es der Rheinfracht GmbH in Mannheim, ein Tochterunternehmen der Lehnkering-Reederei in Duisburg.

Wie das Magazin allerdings zur Einschätzung kommt, dass die Reederei eine Nachrichtensperre verhängt habe, ist unklar – zwar sind auf der Website der Reederei keine Meldungen zu dem Thema zu finden, dafür hat das Unternehmen aber die Domain www.tms-waldhof.de registriert und dort ein Havarietagebuch eingerichtet, das auf dem Laufenden hält. Im Wesentlichen hält die „Binnenschiffahrt“ nach Aussage deren Chefredakteurs Friedrich Oehlerking den Verantwortlichen vor, dass

„entscheidende Fragen wie:

· ob in den Tanks des Schiffes eine Längsschott (Trennwand in Längsrichtung in der Mitte der Tanks) eingebaut ist oder nicht,

· wie die Tanks im Einzelnen beladen waren (welche von den 7 Tanks waren ganz voll, welche weniger voll, wie voll),

· welche baustatischen Verhältnisse des Schiffes bei der Beladung des Schiffes zu berücksichtigen waren,

· welche funktechnische Ausrüstung (AIS ?) an Bord vorhanden ist,

· welche Antriebstechnik (Motorisierung an Heck und vor allem Bug) vorhanden ist,

· Verhalten des Schiffsführers vor Eintreten des Unfallereignisses (Funksprüche, Absetzen von SOS o.ä.) usw. noch offen sind: „Solange derart entscheidende Fragen nicht der Öffentlichkeit gegenüber beantwortet werden, obwohl sie überwiegend vorliegen dürften, reden wir auch hier von einer Nachrichtensperre.“  ms

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