Michael ten Hompel ist neu in der Logistik Hall of Fame

 München, 04.10.12 – Die Entscheidung ist gefallen. Michael ten Hompel ist das neue Mitglied der Logistik Hall of Fame 2012. Der Geschäftsführende Institutsleiter des Dortmunder Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML, wurde unter 22 Kandidaten von einer unabhängigen Expertenjury als „Forschungspapst der Logistik“ in die logistische Ruhmeshalle gewählt. Überreicht wird die Auszeichnung am 29. November anlässlich eines Empfangs im Bundesverkehrsministerium in Berlin.

„Die Wahlphase war hochspannend und mit Michael ten Hompel hat sich in diesem Jahr ein Logistik-Spitzenforscher mit Weltruf durchgesetzt. Sein Name und seine Forschung steht für Effizienz in der Logistik, davon profitiert die Branche seit Jahrzehnten“, begründet Anita Würmser, Vorsitzende der unabhängigen Experten-Jury, die Entscheidung. LT-manager gehört der Jury seit 2011 an und ist auch Mitglied des Unterstützerkreises des Awards.  Seiner Forschungsarbeit und seinem Engagement für die Sache der Logistik sei es zu verdanken, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Logistik immer stärker gewürdigt werde.

Zahlreiche Innovationen in der Logistik gehen direkt auf die Forschungen ten Hompels zurück. So gilt er als Erfinder der Shuttle-Technologie in der Intralogistik, die er seit einigen Jahren zur zellularen Fördertechnik weiterentwickelt. Diese Technologie basiert auf autonomen, sich selbst steuernde Shuttles, die alle Lager- und Transportaufgaben übernehmen. Damit eröffnet sich nicht nur eine Alternative zu Regalbediengeräten für Lageranlagen mittlerer Leistung, sondern darüber hinaus auch zur stationären Fördertechnik, die heute in vielen Lägern noch Standard ist. Dazu hat ten Hompel den Ameisenalgorithmus, auch bekannt als „Schwarmintelligenz“ auf die Intralogistik übertragen.

Ten Hompel hat sich außerdem als der Wegbereiter des Internet der Dinge in Deutschland einen Namen gemacht. Maschinen, Container, Pakete oder Kühlschränke sind im Internet der Dinge mit Sensor- und Funktechnologie ausgestattet und steuern sich intelligent selbst. Autos bremsen vor dem Crash, Container buchen sich selbst die Passage ans gewünschte Ziel, Kühlschränke bestellen Lebensmittel nach und Transportshuttles verlassen nicht nur das Regal, sondern in einigen Jahren auch das Lager, um die Versorgung der Städte direkt zu übernehmen.

Der Fraunhofer-Professor hat zudem Europas bedeutendsten Logistikforschungscluster, den EffizienzCluster LogistikRuhr, inhaltlich definiert und in die Praxis umgesetzt. 120 Unternehmen und 11 Forschungseinrichtungen forschen erstmals gemeinsam daran, die Logistik von Morgen mit 75 Prozent der Ressourcen von heute zu schaffen. Der Anspruch geht weit über das bisherige Logistikverständnis hinaus und stellt die gesellschaftliche Bedeutung der Disziplin für eine lebenswerte Welt in den Fokus. Zahlreiche Innovationen und Patente sind bereits aus dem Cluster hervorgegangen, zusammengenommen werden mehr als 100 neue Produkte und Patente in allen Logistikbereichen sowie 4000 qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt arbeiten rund 1000 Menschen vor und hinter den Kulissen in sieben Leitthemen und insgesamt 30 Einzelprojekten.

Obwohl das Vorhaben anfangs von allen Experten als völlig aussichtslos beurteilt wurde, hat es die Spitzencluster-Initiative der Bundesregierung gewonnen und gilt heute als Europas größtes Forschungsprojekt in der Logistik. Ten Hompel hat mit viel persönlichem Einsatz diesen EffizienzCluster initiiert und unbeirrt vorangetrieben. Es ist seiner Vision und Überzeugungskraft zu verdanken, dass die Vorstände und Geschäftsführer der sonst unerbittlichsten Wettbewerber heute an einem Tisch sitzen und gemeinsam an der Lösung logistischer Problemfelder, wie etwa der Stadtlogistik, der Datensicherheit oder IT-Integration arbeiten.

Michael ten Hompel wurde am 19. November 1958 in Bergisch-Gladbach geboren. Er studierte Elektrotechnik an der RWTH Aachen und promovierte an der Universität Witten/Herdecke. Er war lange, erfolgreich als Unternehmer tätig. 1988 gründet er die GamBit GmbH, die sich mit der Entwicklung von Warehouse-Management-Systemen beschäftigt. 2000 verkaufte er alle Anteile, wechselte in die Leitung des Fraunhofer IML und folgte dem Ruf an die TU Dortmund. Heute ist Michael ten Hompel Inhaber des Lehrstuhls für Lager- und Förderwesen an der Technischen Universität Dortmund und geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Informationstechnologie mit Cloud Computing und dem Internet der Dinge, Green Logistics, Nachhaltigkeit und Warehouse Management sowie die Intralogistik.
Er hält zahlreiche Patente und arbeitet in führenden Positionen in mehr als zwei Dutzend Aufsichtsräten, Vorständen, Verbänden oder Institutionen, unter anderem ist er Mitglied des Vorstandes der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und des Hauptvorstandes des Bitkom. Er engagiert sich in der beruflichen Weiterbildung und ist Sprecher des Direktoriums der Fraunhofer Technology Academy. Außerdem ist er Gründungsmitglied und Vizepräsident der wissenschaftlichen Gesellschaft für Technische Logistik WGTL und Herausgeber des Logistics Journal. Er ist Autor verschiedener Lehrbüchern zur Intralogistik und des Taschenlexikon Logistik (Springer). 2011 wurde er als erster Logistikwissenschaftler in die Akademie der Technikwissenschaften (acatech) aufgenommen.

Die Logistik Hall of Fame: Meilensteine und ihre Macher

Die Logistik Hall of Fame, zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um die Weiterentwicklung von Logistik und Supply Chain Management außergewöhnlich verdient gemacht haben. Die Initiative wird unterstützt vom Bundesverkehrsministerium sowie von einschlägigen Branchenverbänden, Medien und Unternehmen, darunter der Duisburger Hafen (duisport), der Intralogistiker Still, das Fahrzeugwerk Bernard Krone, die Euro-FH sowie die Frachtenbörse TimoCom oder der TÜV Süd Auto Service. Ziel der Logistik Hall of Fame ist es, die Leistungsfähigkeit der Logistik und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu verdeutlichen sowie das Image der Logistik und des Logistikstandortes Deutschland zu verbessern. Das Nominierungs-Komitee und die Jury achten deshalb vor allem darauf, dass die Leistung nicht nur für ein einzelnes Unternehmen von Vorteil ist, sondern sich nachhaltig positiv auf die gesamte Logistik ausgewirkt hat.

Bisher schafften es 15 verdiente Logistiker in die Ruhmeshalle. Darunter der BLG-Vorstandsvorsitzende Detthold Aden, der Unternehmer und Logistikmäzen Klaus-Michael Kühne sowie die Kontraktlogistik-Pioniere Heinz Fiege und Hugo Fiege. Hanspeter Stabenau, Wegbereiter der deutschen Logistikbewegung und Gründer der Bundesvereinigung Logistik, hat einen Platz in der Ruhmeshalle, ebenso wie einige innovative Professoren. Postum in die prominente Runde gewählt wurden der Organisator der Berliner Luftbrücke William Tunner, Gottfried Schenker, Pionier des Kombinierten Verkehrs, Eugene Clark, Erfinder des Gabelstaplers, Malcom McLean, Vater der Containerisierung, und der japanische Toyota-Manager Taiichi Ohno, Erfinder des Just-in-Time-Konzeptes.

Die Ruhmeshalle ist unter www.logistikhalloffame.de zugänglich und bietet Informationen und Bilder über die logistischen Meilensteine und ihre Macher.

 

Über Martin Schrüfer 1198 Artikel
Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss