MAN schrumpft im Geschäftsjahr 2015

Joachim_DreesMünchen, 14.03.2016 – Die MAN Gruppe blickt auf ein herausforderndes Geschäftsjahr 2015 zurück: Während das Unternehmen von seiner starken Stellung auf dem sich erholenden europäischen Nutzfahrzeugmarkt profitierte, blieb die Situation in anderen Regionen – vor allem in Brasilien – und im Geschäftsbereich Power Engineering angespannt. Der Auftragseingang sank um rund 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Umsatz reduzierte sich um rund 4 Prozent. Das operative Ergebnis liegt bei nur noch 92 Millionen Euro.

Trotz einer leicht wachsenden Weltwirtschaft ließ die konjunkturelle Dynamik vieler Schwellenländer wieder nach. Sorgen bereiten weiter Russland und Brasilien. MAN Truck & Bus konnte auf den wesentlichen Nutzfahrzeugmärkten in Europa die Positionen halten und steigerte Umsatz sowie Absatz. Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu optimieren, startete das Unternehmen ein Zukunftsprogramm. Im wichtigen brasilianischen Markt konnte MAN Latin America trotz des intensiveren Wettbewerbs die Marktführerschaft verteidigen und nimmt zum 13. Mal in Folge die Spitzenposition ein. Die schrumpfende Wirtschaft brachte empfindliche Folgen für Umsatz und Absatz mit sich. Im Geschäftsfeld Power Engineering wirkten sich rückläufige Marktentwicklungen in den Geschäftsbereichen Engines & Marine Systems sowie Turbomachinery aus. Bei Power Plants machten sich das verringerte Wirtschaftswachstum sowie längere Projektvorlaufzeiten in wichtigen Entwicklungsländern bemerkbar. Die MAN-Beteiligungsgesellschaft Renk kann erneut ein hervorragendes Geschäftsjahr verzeichnen.

Im Jahr 2015 erreichte der Auftragseingang der MAN Gruppe 14,4 Mrd € und lag damit um 6 % unter dem Vorjahreswert. Das Geschäftsfeld Commercial Vehicles verzeichnete Aufträge im Wert von 11 Mrd €, das sind 4 % weniger als 2014. MAN Truck & Bus erhielt um 9 % mehr Aufträge, bei MAN Latin America ging der Auftragseingang um mehr als die Hälfte zurück. Im Geschäftsfeld Power Engineering betrug der Auftragseingang mit 3,4 Mrd € insgesamt 13 % weniger als im Jahr zuvor.

2015 erwirtschaftete die MAN Gruppe einen Umsatz von 13,7 Mrd € und damit 4 % weniger als im Vorjahr. Das Geschäftsfeld Commercial Vehicles setzte 10,0 Mrd € um. Dabei lag der Umsatz von MAN Truck & Bus bei 9,0 Mrd €, ein Wachstum von 7 % gegenüber dem Vorjahr. Der Absatz stieg um 8 % auf 79 222 Fahrzeuge. MAN Latin America erwirtschaftete 1,0 Mrd €; der Absatz sank auf 24 472 Fahrzeuge. Im Geschäftsfeld Power Engineering betrug der Umsatz 3,8 Mrd €. MAN Diesel & Turbo erhöhte den Umsatz auf 3,3 Mrd €. Renk erzielte mit 487 Mio € einen Umsatz leicht über Vorjahresniveau. Der Free Cashflow aus der Geschäfts- und Investitionstätigkeit des laufenden Geschäfts der MAN Gruppe war positiv und betrug 0,5 Mrd €.

Im Geschäftsjahr 2015 erwirtschaftete die MAN Gruppe unter Berücksichtigung von Restrukturierungsaufwendungen ein operatives Ergebnis von 92 Mio €. Im Geschäftsfeld Commercial Vehicles sank es auf minus 101 Mio €. MAN Truck & Bus erzielte ein Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 205 Mio € – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Als Sondereinflüsse belastend wirkten die Restrukturierungsaufwendungen für das Zukunftsprogramm in Höhe von 185 Mio €. Damit betrug das Operative Ergebnis von MAN Truck & Bus 20 Mio €. MAN Latin America verzeichnete –120 Mio € auf Grund der gesunkenen Volumina in Brasilien und steuerte mit zahlreichen Maßnahmen gegen. Im Geschäftsfeld Power Engineering erreichte das Operative Ergebnis mit 283 Mio € das Vorjahresniveau. Dabei erzielte MAN Diesel & Turbo 216 Mio €. Renk kam auf 68 Mio € und damit auf eine weiterhin auf hohem Niveau liegende Operative Rendite von 14,0 %. Die Operative Rendite der MAN Gruppe ist – vor dem Hintergrund der Sondereinflüsse aus der Restrukturierung und der extrem rückläufigen Konjunktur in Brasilien – im Jahr 2015 auf 0,7 % gesunken.

„Um die Profitabilität zu steigern, haben wir in allen Bereichen Maßnahmen eingeleitet beziehungsweise intensiviert. Wir streben an, dass optimierte Produkte und Komponenten sowie die Beschaffung wesentliche Ergebnisse liefern. Zudem werden Investitionen überprüft, Prozessabläufe hinterfragt und verbessert. Wichtigste Maßnahme ist das Zukunftsprogramm zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei MAN Truck & Bus. Es umfasst die Neuordnung der Lkw-Produktion und die Verschlankung der Verwaltung. Fast komplett umgesetzt sind mittlerweile die 2014 eingeleiteten Veränderungen im Produktionsnetzwerk Bus. Wir als Vorstand der MAN SE sind überzeugt, dass es richtig war und ist, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten grundlegende Zukunftsmaßnahmen anzustoßen“, sagt Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands der MAN SE (im Bild).

Im Mai 2015 hat der Aufsichtsrat der Volkswagen AG die Realisierung einer Nutzfahrzeug-Holding, der Volkswagen Truck & Bus GmbH, genehmigt. Dort arbeiten MAN Truck & Bus, MAN Latin America und Scania stärker zusammen, ihre Identität und die volle operative Verantwortung bleiben erhalten. Im Schnitt wird in diesem Verbund ein langfristiges zusätzliches Synergiepotenzial von mindestens 650 Mio € Operatives Ergebnis pro Jahr angestrebt. Angesichts der langen Produktlebenszyklen im Nutzfahrzeuggeschäft dauert es zehn bis 15 Jahre, bis dies voll ausgeschöpft sein wird. Auf Synergien wird zum Beispiel in den Bereichen Beschaffung und Entwicklung gesetzt.

Für das Jahr 2016 erwartet der Vorstand der MAN SE im Geschäftsfeld Commercial Vehicles einen Absatz auf Vorjahresniveau, der Umsatz wird den Vorjahreswert nicht ganz erreichen. Gestützt durch die eingeleiteten Maßnahmen werden Operatives Ergebnis und Operative Rendite deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Beide Kennzahlen werden auch die Werte vor Sondereinflüssen des Jahres 2015 deutlich übertreffen. red

 

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss