Havarie: Tanker TMS Waldhof war hoffnungslos ueberladen

Die Staatsanwaltschaft Koblenz veröffentlichte interessante Details zur Waldhof-Havarie.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz veröffentlichte interessante Details zur Waldhof-Havarie.

Koblenz, 26.08. – Auf die Reederei Lehnkering, Betreiber des im Januar bei St. Goarshausen auf dem Rhein gekenterten Tankschiffs TMS Waldhof, kommen unangenehme Fragen zu: Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz bekannt gab, war der Pott zum Zeitpunkt des Unglücks um rund ein Viertel überladen.

Das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Gutachten ergab demnach, dass die Waldhof aufgrund der „Nichtbeachtung der Stabilitätskriterien“ bei der Beladung gekentert sei. Das Schiff hätte laut Zulassung Stoffe mit einer Dichte von 1,3 Tonnen pro Kubikmeter transportieren dürfen. Die an Bord befindlichen 2378 Tonnen Schwefelsäure hätten jedoch ein spezifisches Gewicht von 1,84 Tonnen pro Kubikmeter besessen. Dies hätte bedeutet, dass die Waldhof nur vier von sieben Tanks für die Fracht hätte nutzen dürfen. Nachdem aber sieben Tanks voll waren, errechnet das Gutachten eine Überladung von 631 Tonnen. Oder anders gesagt: Statt erlaubten 1747 Tonnen waren 2378 Tonnen an Bord.

Das Verfahren wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung und Gefährdung des Schiffsverkehrs richtet sich nunmehr u.a. gegen den Ausrüster und Beförderer, die Schiffsführer und deren verantwortliche Arbeitgeber. Diesen werden zunächst die umfangreichen Akten zur Verfügung gestellt und deren Einlassungen abgewartet werden.

… schreibt die Staatsanwaltschaft. Die Pressemitteilung über das Ergebnis des Gutachtens ist übrigens weder auf der Website der Reederei noch auf dem mit viel Aufwand inszenierten „Havarietagebuch TMS Waldhof“ bislang zu finden. ms

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss