„Hansa“: Geschlossene Schiffsfonds stehen vor harter Zeit

Hamburg, 21.10. – Der Markt für geschlossene Schiffsfonds steht im kommenden Jahr erneut vor großen Herausforderungen. Viele Sanierungen von Einschiffsgesellschaften, die in der Krise seit 2008 in die roten Zahlen fuhren, kämen dann auf den Prüfstand, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Emissionshauses HCI Capital, Dr. Ralf Friedrichs (Foto), in einem Interview mit der Fachzeitschrift „Hansa“ (Nr. 10, 2011). „2012 wird für viele das entscheidende Jahr sein, weil da die Dreijahresfrist bei vielen restrukturierten Schiffen ausläuft. Denn die Banken können erst einmal nur drei Jahre Tilgungsaussetzung gewähren, darüber hinaus bekommen sie Bewertungsprobleme“, so der Manager. „Wenn man 2012 durchkommt, müsste man sagen können, die Welt sieht besser aus – oder es haut einen um.“

Hunderte Schiffsfonds mussten seit 2008 saniert werden, weil die Tageseinnahmen der Schiffe nicht mehr ausreichten, um Betriebs- und Kapitalkosten zu decken. Neben Tilgungsstundungen der Banken leisteten Tausende Privatanleger Liquiditätsnachschüsse, um ihre Fonds zu stabilisieren. „Wir können nicht ausschließen, dass hier und da unter Umständen eine zweite Runde gefahren werden muss. Da stellt sich dann die Frage, was verlangen die Banken?“, so Friedrichs. Ob und in welchem Umfang, Anleger noch einmal Geld nachschießen müssen, hänge von der weiteren Entwicklung an den Frachtenmärkten ab. „Wir haben noch keine Schiffe, bei denen wir sagen könnten, dass die Konzepte nicht fruchten“, erklärte der HCI-Chef. Allein bei HCI seien in den vergangenen Jahren über 100 Schiffsfonds saniert worden – der Großteil davon allein durch Tilgungsstundungen der Banken. Dort wo Nachschüsse oder Wiedereinlagen erforderlich gewesen seien, hätten die bestehenden Anleger den ganz überwiegenden Anteil selbst erbracht. Externe Investoren seien nur in ganz wenigen Fällen zugelassen worden. Vom erfolgreichen Abschluss der Sanierungen im kommenden Jahr hingen auch die weiteren Perspektiven am Platzierungsmarkt für neue Schiffsfonds ab. „Wenn uns das gelingt und die Ausschüttungen wieder fließen, wird der Markt auch wieder Vertrauen fassen“, sagte Friedrichs. Dasvollständige Interview findet man in der Zeitschrift „Hansa“, Ausgabe 10/2011. ms

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss