Gottlieb Daimler posthum in die Logistik Hall Of Fame aufgenommen

München, 22.09.2014 – Erfunden und den ersten LKW gebaut hat der Ingenieur und Daimler-Gründer, Gottlieb Wilhelm Daimler. Für diese Leistung wählten 38 Juroren aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien (darunter auch LT-manager), den Erfinder und Daimler-Gründer in die Logistik Hall of Fame und würdigten damit postum seine Pionierleistung für den modernen Güterkraftverkehr.

Ein Glas darauf trinken wird er nicht mehr können, der Gute, verstarb er doch bereits im Jahr 1900 und verdrängte damit den erst 1901 verstorbenen und 2011 in die „Walhalla der Logistik“ aufgenommenen Gottfried Schenker von Platz eins der ältesten Hall Of Famer. Vorgeschlagen waren in diesem Jahr insgesamt 22 Kandidaten. „Mit Daimler hat sich ein Mann durchgesetzt, der die Vision einer motorisierten Gesellschaft hatte und gleichzeitig das technische Genie, diese in die Tat umzusetzen. Seine Wahl war nur eine Frage der Zeit“, begründet Anita Würmser, geschäftsführende Jury-Vorsitzende der Logistik Hall of Fame, die Entscheidung. Feierlich in die logistische Ruhmeshalle aufgenommen wird Gottlieb Daimler am 27. November im Rahmen einer Gala im Erich-Klausener-Saal des Bundesverkehrsministeriums in Berlin. „Eine großartige Wahl, Gottlieb Daimler hat die moderne Logistik geprägt wie kaum ein anderer und die Aufnahme in die Logistik Hall Of Fame mehr als verdient“, kommentierte LT-manager-Chefredakteur Martin Schrüfer, Mitglied der Jury und in diesem Jahr auch Mitglied des Nominierungskommittees.

Gottlieb Wilhelm Daimler war 62 Jahre alt und auf dem Zenit seiner Karriere, als ihm der große Coup gelang. Am 1. Oktober 1896 lieferte die Daimler-Motoren-Gesellschaft den ersten LKW der Welt aus und begründete damit gleichzeitig die große deutsche Tradition im Export von Lastwagen. Für 4600 Goldmark, was nach heutiger Kaufkraft etwa 45.000 Euro entspricht, wurde das Fahrzeug an die British Motor Syndicate nach London verkauft. Die Kunden von der Insel waren zufrieden. Sie bekamen Qualität nach Daimlers Motto: „Das Beste – oder nichts“. Das Premierenmodell wurde durch einen 4 PS starken Zweizylindermotor angetrieben und war immerhin für eine Nutzlast von 1500 kg ausgelegt.

Gottlieb Daimler hatte so einen Boom in keiner Weise erwartet. Er soll gesagt haben: „Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren“. Und diese Prognose bezog die PKW mit ein. Anderen Quellen zufolge soll er den Bedarf sogar weltweit bei nur 5.000 Fahrzeugen gesehen haben.

Die Logistik Hall of Fame: Meilensteine und ihre Macher

Die Logistik Hall of Fame zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um die Weiterentwicklung von Logistik und Supply Chain Management außergewöhnlich verdient gemacht haben. Die Initiative wird unterstützt vom Bundesverkehrsministerium sowie von einschlägigen Branchenverbänden, Medien und Unternehmen, darunter die Beratungsgesellschaft Agiplan, die CG Beteiligungsgesellschaften, der Duisburger Hafen (duisport), der DPD, die Euro-FH, der Logistikversicherer Kravag, das Fahrzeugwerk Bernard Krone, der Intralogistiker Still, die SVG Bundes-Zentralgenossenschaft Straßenverkehr und die Frachtenbörse TimoCom. Ziel der Logistik Hall of Fame ist es, weltweit die Leistungsfähigkeit der Logistik und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu verdeutlichen.

Bisher schafften es 18 Logistiker in die Ruhmeshalle. Postum in die prominente Runde gewählt wurden neben Gottlieb Daimler, der Organisator der Berliner Luftbrücke William Tunner, Gottfried Schenker als Pionier des Kombinierten Verkehrs, Eugene Clark, Erfinder des Gabelstaplers, Malcom McLean, Vater der Containerisierung und der japanische Toyota-Manager Taiichi Ohno, Erfinder des Just in Time-Konzeptes. Weitere Mitglieder der Logistik Hall of Fame sind der Unternehmer und Logistikmäzen Klaus-Michael Kühne sowie die Kontraktlogistik-Pioniere Heinz Fiege und Hugo Fiege, der langjährige BGL-Präsident Hermann Grewer, der Dortmunder Logistikforscher Michael ten Hompel, der langjährige BLG-Vorstandsvorsitzende Detthold Aden, der BVL-Gründer Hanspeter Stabenau sowie weitere innovative Professoren.

Leben und Leistung von Gottlieb Daimler

Geboren wurde Gottlieb Daimler am 17. März 1834 in Schorndorf. Mit 14 schloss er die Lateinschule ab und ließ sich zum Büchsenmacher ausbilden. Nach der ersten beruflichen Station in einem Maschinenbauunternehmen absolvierte er mit Erfolg ein Ingenieursstudium an der Polytechnischen Schule in Stuttgart. Von Mitte 1860 bis Ende 1862 lernte Daimler in Paris, Oldham, Leeds, Manchester und Coventry französische und englische Industriebetriebe kennen. Es folgten verschiedene berufliche Stationen, darunter neun Jahre als technischer Direktor in der Geschäftsleitung der Gasmotorenfabrik Deutz AG in Köln. 1882 verließ Daimler mit 48 Jahren Deutz und wird selbst Unternehmer. Drei Jahre später wagte er 1885 den Sprung vom Motor zum Fahrzeug und meldet ein Motorrad mit Holzrahmen – das so genannte Reitrad – zum Patent an. Im Frühjahr 1886 entstand nur einige Monate nach dem dreirädrigen Patent-Motorwagen von Carl Benz, die Daimler-Motorkutsche als erstes Vierrad-Automobil der Welt. Zusammen mit Partnern gründete Daimler am 28. November 1890 eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Nachdem er zwischenzeitlich wegen Streitigkeiten mit den Miteigentümern aus dem Unternehmen ausgeschieden war, wurde Daimler 1894/95 wieder Anteilseigner und schließlich Vorsitzender des Aufsichtsrats. Im Alter von 65 Jahren starb der geniale Ingenieur, erfolgreiche Unternehmer und Pionier des Straßengüterverkehrs. Den Siegeszug der LKW hat er nur noch in den Anfängen miterlebt.

 

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss