Beluga-Krise: Ermittlungsverfahren gegen Niels Stolberg

Bremen, 08.03. – Auf Vorermittlungen folgt nun mehr: Die Bremer Staatsanwaltschaft hat heute in einer Mitteilung bestätigt, dass sie Ermittlungen gegen Verantwortliche des Unternehmens Beluga eingeleitet hat. Besorgte Fonds haben indes eine Interessensgemeinschaft gegründet.Derzeit überschlagen sich Medienberichte über die Bremer Reederei, so dass es sich lohnt, die einzelnen Aspekte auseinanderzuhalten:

1. Vorermittlungen gegen Niels Stolberg. Bekanntermaßen hat der offiziell 49,5 Prozent von Beluga haltende US-Investor Oaktree Capital eine Anzeige wegen nicht weiter benannter Vergehen gegen Niels Stolberg erstattet – die Amerikaner werfen ihm vor, sie über die tatsächliche wirtschaftliche Lage von Beluga Shipping getäuscht zu haben. Ob der Verdacht begründet ist und ein förmliches Ermittlungsverfahren eroben wird, ist seit 8. März geklärt. Die Staatsanwaltschaft Bremen veröffentlichte dazu folgendes Statement:

Die Staatsanwaltschaft Bremen hat, nachdem ihr in der letzten Woche seitens der Investmentfirma „Oaktree“ ein Sachverhalt zur strafrechtlichen Prüfung betreffend die Firma „Beluga“ unterbreitet worden war, am heutigen Tage ein Ermittlungsverfahren gegen zwei ehemalige Geschäftsführer und weitere leitende Angestellte der Firma „Beluga“ wegen des Verdachts des Betruges im besonders schweren Fall (§ 263 StGB) und der Unrichtigen Darstellung (§ 331 HGB) eingeleitet. Die Beschuldigten stehen in dem Verdacht, seit dem Jahr 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und hierdurch insbesondere Kapitalgeber getäuscht zu haben.

Nach Informationen von „Radio Bremen“ lässt sich Stolberg von dem renommierten Strafrechtler Hanns W. Feigen juristisch vertreten.

2. Interessensgemeinschaft verschiedener Fonds. Medienberichten zufolge hat Oaktree Capital angekündigt, dass die Charterraten für die Schiffe, die sie für Beluga finanzieren, sinken müssten. Dies betrifft natürlich auch die Rentablität der Einlagen von diversen Anlegern in die entsprechenden Schiffs-Fonds. Ob man diese aber als Kleinanleger bezeichnen muss, wie es mitunter getan wird, sei dahingestellt. Um gegenüber Oaktree mit einer Stimme zu sprechen, wurde nun die „IG Charterschiffe“ gegründet, der neben den Schiffsfonds-Emittenten HCI, Oltmann Gruppe, EEH Elbe EmissionsHaus, OwnerShip und Nordkontor AG diverse Reeder angehören. Laut dem Finanzdienst „Gomopa“ wird wieder am 9. März mit den Amerikanern verhandelt.

Nach einer Aufstellung der Anwaltskanzlei KWAG wurden für Beluga übrigens sogar in 46 geschlossenen Schiffsfonds bei rund 15 000 Anlegern etwa 314 Millionen Euro Kapital gesammelt. Genannt werden von der KWAG neben den fünf in der IG versammelten Häusern auch die Emissionshäuser Bluewater Capital, Exclusiv CapitalFinanz Holding, K + S Frisia und DHF Deutsche Fonds Holding.

3. Nachtrag einer Personalmeldung: Auch Geschäftsführer Emilio Reales-Bertomeo ist nicht mehr an Bord bei Beluga – er hat Medienberichten (unter anderem „DVZ“) zufolge die Geschäftsführung bereits vor Wochen verlassen. ms

Siehe auch: http://www.lt-manager.de/beluga-shipping-in-unruhigem-fahrwasser

Ausgewählte Medienberichte zum Thema:
„Fall Beluga wird zum Wirtschaftskrimi“ („Weser Kurier“)

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss