ARAIA: Deutsche Industrie verschenkt im Einkauf Milliarden

Marc Staudenmayer.

München, 10.07. – „Optimierungshebel“ ist nicht nur ein spannend klingendes Wort, sondern dieser kann zudem auch massiv Geld einsparen. Vorausgesetzt, man weiß, wie man ihn betätigt. ARAIA Consulting hat sich dem Thema gewidmet und die Studie „Optimierungshebel im Einkauf“ veröffentlicht, die Hinweise auf gewaltiges Einspapotenzial im Einkauf der deutschen Industrie gibt.Befragt wurden 77 Einkäufer, Supply Chain Manager, Einkaufsleiter und Finanzvorstände deutscher Industrieunternehmen, die insgesamt ein Einkaufsvolumen von 250 Milliarden Euro repräsentieren. Trotz der Wirtschaftskrise würden deutsche Industrieunternehmen jedes Jahr Milliarden Euro im Einkauf, weil sie ihre Möglichkeiten, die Beschaffung zu verbessern, bislang nicht ausschöpfen. Das ist das Ergebnis einer Studie der ARAIA Consulting GmbH.

So nutzen derzeit nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen die Chance, durch eine verbesserte Konstruktion ihrer Produkte Kosten zu senken – obwohl dadurch fast zehn Prozent gespart werden könnten. Varianten von Zulieferprodukten zu verringern reduziert die Kosten im Schnitt um mehr als sieben Prozent; trotzdem nutzt gegenwärtig nur jedes zweite Unternehmen diese Strategie konsequent aus, wie die Studie „Optimierungshebel im Einkauf“ zeigt.

Marc Staudenmayer, Gründer und Geschäftsführer von ARAIA: „Es ist erschreckend, dass viele im Grunde einfache Methoden zur Kostensenkung nicht richtig genutzt werden. Das geht zu Lasten der Gewinnmargen, schwächt die Unternehmen im Wettbewerb und gefährdet Arbeitsplätze.“

Die Studie untersucht, wie die deutschen Industrieunternehmen verschiedene Ansätze und Methoden, sogenannte Hebel, nutzen, um ihren Einkauf zu verbessern. Dabei betrachtet die Untersuchung insgesamt zwölf verschiedene Hebel in drei Gattungen:

– Die kaufmännischen Hebel beleuchten, vereinfacht ausgedrückt, wo eine Firma einkauft und ob sie beispielsweise ihre Einkaufsmacht unternehmensübergreifend bündelt, um bessere Konditionen zu bekommen.

– Die technischen Optimierungshebel setzen bei der Frage an, was gekauft wird, beispielsweise wie viele Varianten eines Produkts.

– Hebel entlang der Lieferkette fragen nach dem „Wie“ des Einkaufs und befassen sich beispielsweise mit dem Management von Lieferantenbeziehungen.

Als eines der zentralen Ergebnisse zeigt die Studie, dass sich mit den drei am seltensten genutzten Optimierungshebeln durchschnittlich Einsparungen zwischen sechs und zehn Prozent erzielen ließen. Dies betrifft als erstes den Hebel Reduktion von Produktvarianten, zweitens die strategische Make-or-Buy-Entscheidung und drittens den Hebel Redesign-to-Cost, d. h. die kostengetriebene Konstruktion oder Überarbeitung von technischen Produkten. Darüber hinaus werden auch die häufig angewendeten kaufmännischen Hebel noch nicht voll ausgeschöpft. Dies ist darin begründet, dass laut Staudenmayer viele Abläufe im Einkauf nicht transparent genug seien und softwarebasierte Einkaufslösungen nach wie vor auf große Skepsis stoßen würden. ms

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Leitender Chefredakteur LT-manager und Materialfluss