7. HanseLog: Uwe Beckmeyer appelliert an Logistiker

Hamburg, 23.06. – Prof. Dr. Peer Witten hatte am ersten Tag der 7. HanseLog einen „politischen Abend“  angekündigt – und nicht zuviel versprochen: Die Bundestagsabgeordneten und Verkehrsexperten Uwe Beckmeyer (SPD), Thomas Jarzombek (CDU) und Dr.-Ing. Valerie Wilms (Bündnis 90/Die Grünen) offenbarten sich und ihre Standpunkte bei umstrittenen Themen.Unter der sachkundigen Moderation von Corinna Lampadius gelang ein über weite Teile unterhaltsamer Polit-Talk, der, wenn man Sieger benennen möchte, am Ende den SPD-Abgeordneten Uwe Beckmeyer vorne sah. Das lag vor allem an der Art und Weise seiner Wortbeiträge: Lässig im Ton, strahlten sie dennoch ein großes Maß an Faktenwissen und langjähriger intensiver Beschäftigung mit der Materie aus. Angesprochen auf seine Wünsche an die Wirtschaft, meinte Beckmeyer, dass die Logistiker einen „common sense“ entwickeln und gemeinsam auf den Ausbau der Infrastruktur pochen müssen. So sei es die Aufgabe von Verkehrsminister Ramsauer, jetzt bald „alle Beteiligten zusammenzutrommeln“.

Thomas Jarzombek, Vertreter der Partei, die die Regierung mit bildet, fand dagegen deutlich positivere Worte für die aktuelle Lage und wies wiederrum Beckmeyer immer wieder mit Genuß darauf hin, dass die SPD in den letzten Jahren durchaus nicht nur in der Opposition war, sondern lange Jahre Gestaltungsmöglichkeiten gehabt hatte – oder hätte, je nachdem, wie man es sehen will.

Dr.-Ing. Valerie Wilms verfolgte die Hiebe und Sticheleien meist mit ironischer Distanz und verlegte sich auf eine Argumentation, die auf die Nachhaltigkeit aller verkehrspolitischen Überlegungen pochte: Der Ausdruck „postfossile Gesellschaft“ fiel des öfteren, verhallte aber, weil Beckmeyer und Jarzombek sich ebenso wie Moderatorin Lampadius nicht wirklich darauf einließen.

Und die Themen? Nun, Überraschungen blieben weitestgehend aus. Dass Wilms und Beckmeyer die Dividende in Hhe von 500 Millionen Euro, die die Bahn jährlich an den Bund abführen muss, schlecht und Jarzombek diese „ganz normal“ findet, war abzusehen. Die Y-Trasse Hannover – Hamburg/Bremen halten sowohl Jarzombek als auch Beckmeyer für richtig und notwendig, Wilms für überflüssig und frühstens in 15 Jahren realisierbar. Und bei dem Thema Elektromobilität ergab sich sogar eine seltene Schwarz-Rot-Grüne Koalition: Alle drei Bundestagsabgeordneten priorisieren die Bestrebungen, Autos und Lastwägen eines Tages elektrisch antreiben zu können. Thomas Jarzombek denkt dabei zunächst an die KEP-Dienste, die mit Elektrofahrzeugen einfacher arbeiten könnten als Privatleute, Wilms will trotz der Elektro-Euphorie auch die Intermodalität berücksichtigt wissen, dito Uwe Beckmeyer. Fazit: Ein spannender politischer Abend mit durchaus unterhaltsamen Elementen. ms

22.06. http://www.lt-manager.de/7-hanselog-prof-dr-peer-witten-gibt-den-startschuss

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