Aus Ausgabe 6/10: Thomas Wimmer im Interview

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik.


Das nachfolgende Interview ist eine Ergänzung des Artikels „Wieder wachsen“ auf Seite 16 des LT-manager, Ausgabe Nr. 6/2010.

LTM: Das Motto des Kongresses, „Intelligent wachsen“ spielt auch auf die Veränderung an, vor der die Branche steht oder in der sie gerade steckt. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Elemente dieser Veränderung, dem i n t e l l i g e n t e n Wachsen?

Thomas Wimmer: Flexibilität und Weitsicht: Den Aufschwung bewältigen, also Kundenwünsche erfüllen, ohne feste Strukturen zu schaffen wie sie für jahrelange Boomzeiten mit deutlichen Wachstumsraten richtig wären. Die Märkte, denen die Logistikwirtschaft dient, sind hoch volatil. Die Amplituden der Wirtschaftsdaten sind größer geworden. Wenn auf eine Aufschwungphase kurzfristig ein Abschwung folgt, dürfen die Unternehmen davon nicht überrascht werden.

LTM: Gibt es ein „Trendthema“, das Ihrer Meinung nach die Diskussion während des Kongresses beherrschen und/oder das 2011 so richtig zur Geltung kommen wird?

Thomas Wimmer: Ja, das Thema Nachhaltigkeit. Allerdings nicht verkürzt auf „grüne Logistik“, sondern in allen Facetten einer ausgewogenen, zukunftsfähigen Entwicklung. Also Nachhaltigkeit in ihren drei Komponenten: ökologisch, ökonomisch und sozial. Effiziente Logistikprozesse sind nachhaltig: Wirtschaftlichkeit vermeidet Ressourcenverschwendung, trägt zum Umweltschutz bei und sichert qualifizierte Arbeitsplätze. Und das in erhöhter Reaktionsgeschwindigkeit und mit verstärkter Anpassungsfähigkeit an die Wünsche der Endverbraucher. Diese komplexen Herausforderungen wird die Logistik in den kommenden Jahren zu meistern haben.

LTM: Auf welchen Vortrag oder welches Event freuen Sie sich persönlich am meisten?
Thomas Wimmer: Angesichts der zahlreichen Highlights ist es gar nicht so einfach, das einzugrenzen. Als Veranstalter ist für mich das Schlusswort nach einem gelungenen Kongress mit zufriedenen Teilnehmern das schönste. Aber davor freue ich mich auf die Gespräche mit den Gästen, auf die Referenten, die aus vielen Wirtschaftsbereichen und aus der Politik zu uns kommen, auf die Verleihung des Deutschen Logistik-Preises, des Wissenschaftspreises und des Medienpreises – und natürlich auf die Songs von Abba am Gala-Abend.

LTM: Welche Änderungen haben Sie inhaltlich und organisatorisch gegenüber dem Kongress des Vorjahres vorgenommen?

Thomas Wimmer: Inhaltlich setzen wir mit dem Kongress jedes Jahr neue Schwerpunktthemen auf – in diesem Jahr beispielsweise das Wirtschaftswachstum, Nachhaltigkeit, aber auch humanitäre Logistik und das Image der Logistik. Gastregion 2010 sind die nordischen Länder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Organisatorisch haben wir in diesem Jahr gegenüber 2009 keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen. Haupt- und Gastvorträge, eine Podiumsdiskussion, 20 Fachsequenzen, der Gala-Abend am Mittwoch, Exkursionen und die die After-Work-Party am Donnerstag, viele Gesprächsmöglichkeiten an den Ständen, in den Lounges, bei den Mahlzeiten und an den Kaffeebars – all das macht den unverwechselbaren Charakter des Kongresses aus.

LTM: Wie beurteilen Sie die Resonanz der Aussteller? Wird die Zahl in diesem Jahr wachsen? Und: Worin sehen Sie den Grund der Entwicklungen?

Thomas Wimmer: Wir erleben insgesamt eine sehr positive Resonanz: Wir erwarten rund 200 Aussteller – nach 180 im vergangenen Jahr. Damit ist die Ausstellungskapazität am Veranstaltungsort voll ausgelastet. Wir erwarten mehr Teilnehmer als im letzten, krisenbestimmten Jahr: 3.300 aus über 40 Nationen werden es wohl werden. Erfreulich ist, dass der Kongress auch im Krisenjahr 2009 sich recht robust gezeigt hat. Er ist das etablierte Treffen der Logistiker aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Wissenschaft in Deutschland und darüber hinaus. Leichte Steigerungsraten in diesem Jahr reflektieren die mittlerweile wieder gute Stimmung in der Logistik, wie sie auch der Logistik-Indikator der BVL wiedergibt.

Die Fragen stellte Martin Schrüfer, Chefredakteur LT-manager

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